Archiv für den Autor: palandurwen

In Wahrheit wird viel mehr gelogen

Kerstin Gier – In Wahrheit wird viel mehr gelogen.

Ihr Lieben!

Ich bin glücklich und vollauf zufrieden damit, dass meine 3. Hausarbeit soweit fertig geschrieben ist. Zwar ist sie höchstwahrscheinlich unglaublich schlecht, aber immerhin fertig. Und pünktlich dazu ist das Wetter so schön! Ich sitz die ganze Zeit hier und lese entweder oder schreibe oder dümpel vor mich hin. Großartig, wenn man mal einen kleinen Augenblick zum Durchatmen hat. *puh

Apropos lesen – ich habe schon wieder ein Buch fertig und wollte hier noch mal ein, zwei Worte dazu verlieren:

Kerstin Giers „In Wahrheit wird vielmehr gelogen“

via

Carolin Schütz liegt auf dem Gehweg. Sie ist das erste Mal in ihrem 26 Jahre langen Leben betrunken und das aus gutem Grund: Karl, ihr Ehemann ist gestorben. 
Was also soll man schließlich sonst in einer solchen Situation tun, als sich zu betrinken? Und vielleicht eine gesunde misanthropische Einstellung der Restbevölkerung gegenüber entwickeln, die eigentlich irgendwie alle Idioten sind? 
Denn ohne Karl ist es nicht mehr das Gleiche. Für ihn hatte die junge Frau alles aufgegeben, da sie bei ihm so sein konnte, wie sie wollte: seltsam. Denn anders würde man eine Frau, die mit Mitte 20 bereits ihr drittes Studium abschließt, fließend Sprachen wie Koreanisch oder Polnisch spricht und scheinbar ein wandelnder Taschenrechner ist, nicht bezeichnen. Und nun ist sie allein, sitzt auf dem riesigen Erbe ihres fast doppelt so alten Mannes fest und musste den nervenaufreibenden Kampf darum mit dessen Sohn und Familie aufnehmen – der nebenbei bemerkt ihr Ex-Freund ist. Die perfekte Gelegenheit Glückspillen zu nehmen, zu einer unfähigen Therapeutin zu gehen und sich im Schoße der etwas skurrilen Familie wieder aufbauen zu lassen, bevor man sich wieder in das Gefecht namens Leben stürzt …

Die Inhaltsangabe ist nichts Besonderes und auch das Buch selbst ist sicherlich nichts, was die Welt aus den Angeln hebt und diese grundlegend verändern würde. Aber.
Kerstin Gier hat mit einem amüsanten Sprachspiel einfach geschafft, die doch recht simple Handlung so zu bereichern, dass das Lesen einfach Spaß macht und man das Buch doch gerne zur Hand nimmt. Die Zielgruppe ist natürlich klar, es ist und bleibt und wird immer sein ein Frauenroman, was ja nun nicht gerade zum allgemein anerkannten Literaturkanon gehört. Aber ich finde, man darf auch solche Literatur lesen – gerade, wenn sie zeigt, dass auch deutsch Autoren und Autorinnen noch immer recht gut mit der Sprache umgehen können.

Ich persönlich habe ja meistens ein Problem, wenn deutschsprachige, moderne Literatur mir vorgelegt wird – ähnlich wie ich mit deutschsprachigen Filmen Schwierigkeiten habe. Aber Kerstin Gier ist amüsant und leicht zu lesen. Die freakige Hauptfigur ist die perfekte Antiheldin, vielleicht sogar ein bisschen zu anti, aber das ist okay. Und wenn man über die doch sehr deutschen Namen mal hinweg sieht, dann macht das Buch schon Spaß zu lesen. 
Ein bisschen wie eine klein wenig harmlosere, deutsche Marian Keyes ist sie.  

Wer also mal etwas leichtes und seichtes lesen möchte, ohne gleich komplett das Gefühl zu haben in Trash oder Kitsch zu versumpfen, der kann getrost zu Giers‘ „In Wahrheit wird viel mehr gelogen“ greifen!

Darum hier noch einmal die harten Fakten:

Kerstin Giers: In Wahrheit wird viel mehr gelogen.
7,99 €
im Bastei Lübbe Verlag erschienen
ISBN: 978-3-404-16552-0
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Palan auf der LBM

Ihr Lieben!

Für einen Bericht über die Leipziger Buchmesse ist es jetzt wahrscheinlich bereits zu spät. Deswegen nur soviel dazu: Meine Gesellschaft war bezaubernd (danke an Iv + ihr Mann und die liebe Bella) und die Messe war voll (vor allem voller Cosplayer – Oh mein Gott, es waren wirklich viele!!! – am witzigsten fand ich die männlichen Sailor-Kriegerinnen XD).
Ich habe einen dicken Beutel voller Werbematerialien und Prospekte und Verlagsprogramme zusammengeklaubt und sogar ein Buch gratis bekommen. Allerdings hab ich die Sachen, für die ich eigentlich da war, nicht gekauft und hatte auch keinen Nerv nur ansatzweise zu schnorren – meine Füße haben mich einfach UMGEBRACHT! T_T

Aber.
Ich möchte euch noch ganz kurz zeigen, wie ich auf der LBM war – natürlich mit Iv zusammen in Lolita ^^ – Fotos seht ihr hier 😉

böses Gegenlicht!! – aber Iv in dem wunderschönen IW-Rock *hach
hier erkennt man alles etwas besser – vor allem auch ihre bezaubernde Buchtasche – ich hätte sie ihr wegklauen können! *-*
Und mich gab’s wie gesagt auch in Lolita.
Bluse: Orsay
Kleid: Orsay
Petticoat-Reifrock-Hybrid: Goldkind
Schuhe: Deichmann
Strumpfi, Schmuck: kA

Ich bin mir aber gerade noch sehr unschlüssig, wie ich nächstes Jahr die LBM verbringen werde. Ich *liiiiebe* die Bücher, die Stimmung, die hübschen Stände. Aber ich finde die Preise einfach nur noch ziemlich heftig. Und es ist einfach immer so stressig zwischen den ganzen Menschen da – ich versuche ja immer öfter große Menschenansammlungen zu vermeiden, da mich das unglaublich kirre macht. Aber naja … wir werden es sehen – vielleicht kann ich nächstes Jahr ja auch schon Freitags oder gar Donnerstags hin, wer weiß ^^

Würdet ihr (wieder) hingehen?
Wenn ihr wart, hoffe ich, ihr hattet viel Spaß 🙂

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Hey ihr Mollie Makers…!

Ihr Lieben!

Heute war ich erfolgreich und habe zur Feier meines ersten freien Tages am Zeitschriftenstand die aktuell neueste Glanzleistung der deutschen Selbstmachriege gefunden, mich darin verliebt und sie heimlich ins Einkaufskörbchen geschmuggelt. 
Und es nach dem ersten Durchblättern und Anlesen vorhin wirklich nicht bereut!

Zum Heft selbst:
Mollie Makes ist eine englische Zeitschrift, die seit über einem Jahr bereits die DIY-Herzen höher schlagen lässt, die zappeligen Bastelfinger immer beschäftigt hält und die neugierigen Augen für alles Schöne schärft. 
Zusammen mit Anja Brinkmann (auch bekannt als mymaki) hat der OZ-Verlag nun endlich eine deutschsprachige Ausgabe herausgegeben. Momentan ist sie noch ein Versuch und es wird von der Reaktion des deutschen Publikums abhängig gemacht, ob es zukünftig regelmäßig erscheint. Und wenn es nach mir geht, sage ich eindeutig: Ja. 

Die Zeitschrift besticht mit zahlreichen DIY-Ideen, die wirklich anschaulich gestaltet sind und mit denen durch wenig Aufwand und Material zauberhafte Kleinigkeiten entstehen (z.B. gehäkelte Äpfelchen, einen süßen Filz-Fuchs oder auch das tolle Cupcake-Rezept). Weiterhin sind viele Inspirationen aus aller Welt zusammengetragen. Auf vielen Seiten werden auch junge Designer und kreative Köpfe vorgestellt – man erhascht einen Blick in ihre Schaffenswelt und Arbeitsplätze.

Ein paar Impressionen gefällig? 

Mollie Makes. Living & Loving Handmade. erschienen in der OZ-Verlags-GmbH. 5,90 €
Wie mache ich selbst einen Bubi-Kragen? – Mit Mollie Makes!
Wie schade, dass der Brautstrauß verwelken muss – aber halt, mit Mollie Makes nicht! 
Spitzen Inspiration für groß, klein und überall.
Und hier eine der wunderschönen Anleitungen – für ein hübsches Klick-Portemonnaie 🙂

Werft doch mal einen Blick in die deutsche Mollie Makes – sie ist wirklich hübsch aufgemacht und auch wenn der Preis mit 5,90 Euro nicht zu verachten ist, finde ich den Betrag doch gerechtfertigt und werde – in der Hoffnung, dass es wirklich noch weitere Ausgaben geben wird –  immer wieder einen Blick hineinwerfen und sicherlich noch das Geld in das ein oder andere Heft investieren. (ich würde glaub ich auch total gerne für die Zeitschrift arbeiten *hach)

Was mein ihr? Kennt und mögt ihr Mollie Makes? (meistens bin ich da ja immer ziemlich lahm und entdecke so etwas erst für mich, wenn alle anderen es schon lieben *lach ^^; )

Entwachsen.

Wann ist das denn nur passiert?

Seit wann fühle ich mich schon so? Seit wann schaue ich mich um, umgeben von Gleichgesinnten, Gleichdenkenden, Gleichfühlenden und fühle mich doch ganz anders? Seit wann erkenne ich nicht mehr den Sinn der ganzen Kleinigkeiten, für die ich früher so vieles gegeben habe, auf die ich früher so vieles gab? In welchem Moment schied ich aus dieser stillen Gemeinschaft aus und bin unbemerkt plötzlich ganz anders geworden? Habe ich überhaupt jemals dazu gehört?

Erwachsen. Pah. Wie das klingt. Das ist doch eigentlich nur Schikane, nur Augenwischerei. Erwachsen – so etwas gibt es nicht, kann es auch nicht geben. Denn schon das Wort allein ist irreal und unsinnig. Es verspricht etwas, was weder erstrebenswert noch möglich ist.
E und R. „Er-“. Diese zwei Buchstaben, diese eine kleine Silbe, will so viel bedeuten und macht damit so viel kaputt. Sie impliziert einen Abschluss. Als wäre man fertig, als sei man am Ziel. So etwas Bescheuertes. Wie kann ich denn etwas erreichen – da ist es übrigens schon wieder! – was es nicht gibt? Denn wie kann ich denn fertig werden mit einem Prozess, der gar nicht darauf angelegt ist, beendet zu werden. Er ist immer unfertig. Ich kann nicht erwachsen. Ich bin nicht erwachsen.
Ich bin höchstens entwachsen.
Diese Erkenntnis lässt mich schlucken und macht mich traurig, macht mir Angst. Ich bin meiner seelischen Heimat, meiner mentalen Zufriedenheit entwachsen. Entwachsen – das ist wie entlaufen oder entscheiden. Da war was und nachdem man etwas getan hat, ist es weg, ist alles anders. Ich bin mir selbst entwachsen. Und das, obwohl ich mir so sicher war, mich selbst gefunden zu haben. Offensichtlich war das ein Trugschluss, dem aber scheinbar nicht nur ich erliege, sondern eigentlich der Großteil der Gesellschaft. Sie verlassen sich darauf, dass sie erwachsen sind und sind in Wahrheit nur eines Zustandes entwachsen. Und so lange sie sich darüber nicht im Klaren sind, wissen sie auch nicht, dass sie auf der Stelle treten und noch nirgendwo angekommen sind. Arme Erwachsene.

In diesem Sinne ist es eigentlich ein Gewinn, dass ich weiß, dass ich nur entwachse. Aber damit einher kommen auch die Ungewissheit, das Sorgen und das Fragen. Das ist übrigens auch sehr „erwachsen“, nicht wahr? Man sorgt sich ständig, um alles und jeden. Die Zukunft ist ungewiss und man hat die Gabe verloren, sich einfach auf sie einzulassen. Also plant man. Man erstellt Plan A und zur Sicherheit noch Plan B bis F und plant so lange an den Plänen, bis man so zugeplant ist, dass keiner der Pläne sich noch wie geplant verwirklichen lässt. Man verlässt sich aber auf diese mentale Sicherheit. Man ist glücklich in seiner Verplantheit.
Ich neige auch dazu, das weiß ich. Das habe ich schon immer. Dieser Tatsache bin ich noch nicht entwachsen. Man kann es sich also nicht aussuchen, was man verliert und was man behält beim Wachsen. Schade. Das würde mir besser gefallen. Dann würde ich die Naivität mir nehmen, zusammen mit dem Urvertrauen, das ich einst besessen habe, bevor ich auf Menschen getroffen bin. Ich würde gerne wieder die Welt so schön und bunt sehen dürfen, wie ich sie einmal gesehen habe. Und dann würde ich es gerne für immer in diesem großen Gefäß namens Gehirn sicher ablegen und mir immer wieder anschauen, wie einen Schatz würde ich diese Bilder hegen und pflegen und in mir tragen. Doch man kann es sich nicht aussuchen. Wenn man wächst, dann muss man Platz machen für Neues und ausmisten. Schade, dass die wirklich wichtigen Dinge dabei verloren gehen und man nur noch weiß, man hatte sie mal, man hat sie aber nicht mehr. Die Erinnerung an eine Erinnerung ist einfach nicht das gleiche, wie die Erinnerung selbst.
Doch selbst wenn man weiß, dass es passiert, kann man es nicht verhindern. Denn man bemerkt es ja nicht. Ich habe es auch nicht bemerkt.

Wann ist das denn nur passiert?




ps: weil bereits besorgte Nachfragen kamen, ob es mir denn gut geht – ja tut es. Das hier ist kein Klagen und Jammern oder Ähnliches, sondern eine Übung im Schreiben. 
Schreiben war lange Zeit mein steter Begleiter und ist im Alltags des Studiums aber schon lange zu kurz gekommen. Ich möchte dieser Tatsache entgegen treten und ab und an mal wieder etwas verfassen. Und da ich nun schon lange Zeit diesen Blog unter dem Titel „Palans Welt“ führe und das Schreiben eigentlich ein Teil davon ist, möchte ich einige Dinge hier auch euch zeigen. 
Damit es nicht zu Irritationen kommt, werden diese Einträge zukünftig das neue Label „Schreibwerkstatt“ tragen. 
Ich hoffe, ihr ertragt solche Posts tapfer 😉   
Mein Körper weiß alles

Banana Yoshimoto – Mein Körper weiß alles.

Ihr Lieben!

Seit ewigen Zeiten schon ist Banana Yoshimoto eine meiner Lieblingsautorinnen. Ihr kennt sie nicht? Kein Wunder, sie ist ziemlich unbekannt in Deutschland. In ihrer Heimat Japan ist sie allerdings so eine Art Popstar der modernen Literatur. Sie scheint eine Art Sprachrohr ihrer und der folgenden Generation zu sein und die Jugendlichen dort ziemlich stark anzusprechen.
Hier in Deutschland funktioniert das wohl nicht ganz so gut, was ich generell aber immer sehr schade finde, denn sie ist meiner Meinung nach einfach großartig. Sie schreibt für gewöhnlich mit einer beklemmenden, fesselnden Leichtigkeit, die Übernatürliches und Unerklärliches wie Selbstverständlich in das menschliche Dasein verweben kann und die mit teilweise so puren und leisen Tönen in mir ganze Gefühlsstürme auszulösen vermag. Allerdings – ich sagte es bereits – für gewöhnlich. Das bringt mich zum aktuellen Stück Literatur aus ihrer Feder:

Banana Yoshimotos „Mein Körper weiß alles. Dreizehn Geschichten.“

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Es ist ein Sammelband voll mit 13 Geschichten, die spürbar, die merklich anders sind, als das bisher von ihr Verfasste. Dieses Mal konzentriert sich Yoshimoto stark auf das Körperliche. Die Geschichten erzählen meist von Personen, die Dinge tun müssen, die Momente empfinden müssen und oft gar nicht wissen, aus welchem Grund das alles auf diese oder jene Art geschieht. Die Geschichten sind untypischer Weise stark im Irdischen verwurzelt und versuchen einer ganz anderen Verbindung auf den Grund zu gehen: der zwischen Körper und Geist. 
Ob es nun die Enkelin ist, die plötzlich ihren grünen Daumen in der Todesstunde ihrer geliebten Großmutter entdeck, ob es die junge Frau ist, die sich hormongesteuert und von der Situation völlig gefesselt auf ein nächtliches Abenteuer mit einem jungen Unbekannten einlässt, ob es die Büroangestellte ist, die den scheinbar unnützen Kollegen beweint – es sind alles Momentaufnahmen, die Yoshimoto hier aufzeigt. Momente, die körperlicher, sinnlicher Natur sind, die die Figuren aber dennoch wachsen lassen.

Mir persönlich ist diese neue Art der Geschichten anfangs schwer gefallen zu akzeptieren. Aber jeder Künstler muss sich weiter entwickeln und wenn man es als Leser zulässt, so nimmt er einen auf seinem weiteren Weg mit. 
Die teilweise sehr direkte, unverblümte Wortwahl hat mich zwar nach wie vor erschreckt, aber ich bin im Nachhinein mit dem Band doch wieder versöhnt. Denn durch Geschichten wie „Papas Spezialität“ fand ich „meine“ Banana in all der Körperlichkeit doch wieder. Mit Zeilen wie diesen entschuldigte sie sich fast bei mir für das Vorhergehende und noch Kommende:

„… Nur dieses eine Bild längst verlorener Verbundenheit hatte sich in meine Seele eingebrannt – so klar und deutlich wie Scheinwerferlicht, das in der Nacht die Straße erhellt. Das Bild einer Familie, die im Schein der Lampe um den Tisch sitzt. Wenn der Fernseher aus ist, hört man nur noch das Geräusch wogender Bäume. Undurchdringliche Finsternis. Der Atem meines schlafenden Bruders. Vaters Schnarchen. Mutters aufgelöstes Haar. Eine Familie, die sich im Dunkeln aneinanderschmiegt…“

Insgesamt würde ich also sagen, für eingefleischte Banana-Fans eine Geschmacksumstellung, auf die man sich aber einlassen sollte. Für Banana-Neulinge vielleicht ein seichter Einstieg in ihre Welt – wenngleich ich auch den Neulingen empfehlen würde, ältere Bücher von ihr zu lesen (z.B. „Dornröschenschlaf“ oder „Eidechse“).

Für alle Interessenten, hier noch mal die harten Fakten 😉

Banana Yoshimoto: Mein Körper weiß alles. Dreizehn Geschichten.
9,90 €
im Diogenes Verlag erschienen
ISBN: 978-3-257-24154-9

Julie & Julia

Julie Powell – Julie & Julia

Ihr Lieben!

Ich nutze diese Semesterferien ja endlich mal wieder dazu, um auch mal etwas auszuspannen neben dem ganzen Unistress. Und das kann ich eigentlich – wenn nicht gerade hinter der Kamera oder mit meinen Lieben – mit einem guten Buch und einer netten Tasse Tee. Neulich habe ich ja nun (dank meines kleinen Infektes so halb ans Bett gefesselt) ein weiteres Buch ausgelesen und möchte euch dies nun kurz hier vorstellen (ja, das könnte demnächst öfter passieren – aber es wird auch nicht überhand nehmen, keine Sorge ^^):

Julie Powells „Julie & Julia. 365 Tage, 524 Rezepte und 1 winzige Küche“

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Ich weiß nicht, ob ihr das Buch kennt – vielleicht aber sogar den Film? Ich bin damals nämlich erst über den Film auf dieses Stückchen Literatur gestoßen, da er nach einer wahren Begebenheit spielen sollte und zudem auch noch mit Meryl Streep in einer Hauptrolle besetzt war. Das waren schon zwei gute Gründe, um mich damit näher auseinander zu setzten – das und die Tatsache, dass ich ja ohnehin momentan dem Kochen verfallen bin *g

Gesagt getan und siehe da – es ist tatsächlich so gewesen. Julie Powell, eine 29-jährige Sekretärin, die nicht sonderlich glücklich mit ihrem Job und Leben ist, entschließt eines Abends völlig frustriert, dass sie Julia Childs „Mastering the French Art of Cooking“ von vorne bis hinten innerhalb eines Jahres durchkochen will und darüber einen Blog führen wird. Das sogenannte Julie/Julia-Projekt treibt sie ab dieser Entscheidung ständig an den Rand des Nervenzusammenbruchs (denn welcher figur- und gesundheitsbewusste Mensch im 21. Jahrhundert kocht noch bitte mit 2 Päckchen Butter – pro Gericht?!). Und nicht nur sie: Ihr Ehemann, ihrer Freunde, selbst ihre drei Katzen haben darunter zu leiden. Doch mit jedem neuen Häkchen hinter einem gekochten Rezept erkennt Julie, dass es nicht nur eine wahnwitzige Idee ist, die ihr Leben auf den Kopf stellt, sondern sogar die einzig richtige Idee war, um sie überhaupt wieder in ein Leben zu bringen. Und mit jedem Päckchen Butter und jeder neuen Herausforderung (Hummer ermorden, Crêpes wenden, Hühner entbeinen, Eier zubereiten, Aspik meistern) sieht sie, dass sie es kann, dass sie lebt…

Das Buch basiert auf den original Blog-Einträgen aus dieser Zeit und wurde 2006 mit dem Lulu Blooker Prize, dem Preis für das beste auf einem Blog oder einer Website basierenden Buch, ausgezeichnet. 

Ich persönlich fand es sehr angenehm zu lesen. Julie ist locker und leicht in ihrem Schreiben, nicht sonderlich schwierig und vielleicht sogar banal. Aber wisst ihr was? Darin liegt eine Art der Tiefgründigkeit und eine Zufriedenheit mit der Welt und sich selbst, die das Lesen wirklich sehr angenehm gemacht hat. Und war ich am Anfang auch noch nicht überzeugt von der ganzen Geschichte und wollte es schon unter „Mädchen-Frauen-Zeitvertreib-Lektüre“ ablegen, da wurde es doch irgendwie immer besser und besser. Vielleicht, weil ich selbst blogge oder weil ich momentan auch das Kochen für mich als eine Art Ausgleich entdecke – aber ich konnte mich irgendwie Stück für Stück mehr mit dieser jungen Frau identifizieren. Und am Ende war ich froh über das Buch und dass ich es gelesen habe und dachte bei mir nur noch: Und was koch ich jetzt? 

Wenn es euch interessiert – hier noch die harten Fakten:

Julie Powell: Julia & Julia. 364 Tage, 524 Rezepte und 1 winzige Küche.
8,95 €
erschienen im Goldmann Verlag
ISBN: 978-3-442-47133-1
Obsolete Angels

Annie Bertram – Obsolete Angels

Ihr Lieben!

Einige von euch wissen sicherlich, dass ich ein recht großer Fan von Annie Bertram bin und spätestens seit „Wahre Märchen“ ihre Bücher auch wirklich toll finde. 
Für die unter euch, denen ihr Name nichts sagt: Annie ist eine Fotografin (hauptsächlich in der Gothic-Szene angesiedelt) und ist einer der Gründe, weswegen ich überhaupt eine Kamera jemals in die Hand genommen habe. Viele ihrer Bilder sind einfach so großartig, dass mir der Atem stockt. Ich bewundere sie – obwohl natürlich auch immer Sachen dabei sind, die weniger meinem Geschmack entsprechen. Das ist ja aber auch immer so und generell empfinde ich sie als eine tolle Künstlerin. 

Und diese Frau hat mit „Obsolete Angels – Zeitlose Engel“ nun den zweiten Geschichten-Band auf die Welt gebracht, in dem ihre Fotos zusammen mit Kurzgeschichten vieler junger (Szene-)Autoren zusammenspielen und den Leser in eine andere Welt – in Annies Welt entführen möchten. 

In 14 Geschichten traf ich Wesen, die entweder noch übrig waren oder wie durch Zufall in diese Welt geraten sind. Es sind Wesen, die nicht hierher zu passen scheinen, aber gleichsam irgendwie vertraut anmuten. Mit Wehmut habe ich diesen kurzen Einblick in mancher ihrer Leben verfolgt. Einsam einer Aufgabe streng hinterhereifern, die schon lange ihren Sinn verloren zu haben scheint. Verbittert seinen Lebensraum schützend gegen jeglichen Eindringling. Bei anderen war ich entzückt und beglückt, von ihnen erfahren zu dürfen. Wie sie die Welt in Ordnung halten – gefährlich und schön, bemüht und gleichzeitig fast gelangweilt. Einige, wenige waren auch tatsächlich angsterregend und eklig – aber nichtsdestotrotz sind es alles zeitlose Engel, die unter uns sind und die wir nicht sehen können – die Annie uns aber zeigt. 

Meine Lieblingsfiguren (und gleichzeitig Geschichten) sind übrigens „Die Fee der Vergänglichkeit“, „Die Skorpionfrau“, „Edens End“, „Die Schwester“ und „Das Phantom des Meeres“, sowie „Wir zwei sind eins“. Dahingegen wirklich eklig fand ich „Der Kannibale“ – da ist der Titel Programm und die Schreibart entspricht einfach ganz typisch der Feder von Dirk Bernemann.
Andere große Namen wie Markus Heitz, Christian von Aster oder Jeanine Krock haben ebenfalls exklusiv Geschichten zu Annies Bildern entwickelt – ja, die Fotografin selbst hat diesmal auch zwei Texte beigesteuert.  

Insgesamt lautet mein Fazit, dass ich lange um den Band herumgeschlichen bin und dass die Freude, die ich empfunden habe, als ich ihn dieses Jahr geschenkt bekommen haben, nicht zu groß war, denn er entspricht meinen Erwartungen und auch wenn einige Bilder und Geschichten vielleicht nicht ganz mein Geschmack sind, so sind es die restlichen dafür umso mehr. Und ein Buch, bei dem ich beim Lesen tatsächlich einen Kloß im Hals hatte, das ist für mich ein gutes Buch. 

Für alle, die Interesse an dem guten Stück haben:

Annie Bertram: Obsolete Angels – Zeitlose Engel.
18,95 €
erschienen bei U-Books
ISBN: 978-3-939239-04-8