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Arbeitsprobe und Gedankengänge…

Ihr Lieben!
Sich selbst einzuschätzen, das ist sicherlich für die meisten nicht gerade der liebste Vorgang beim Bewerbungsverfahren. Ich musste das bisher nie so wirklich tun bzw. habe mich immer erfolgreich davor gedrückt. Nun komme ich aber wohl doch nicht drumherum und zu so einer Einschätzung des eigenen Könnens zählt irgendwie auch das Präsentieren von geeigneten Arbeitsproben. 
Arbeitsprobe. Uffz. Das ist schon so ein Wort, was mich gruseln lässt… Eine Probe meines Könnens. Kann ich denn etwas? Woher weiß ich denn, was ich kann und was nicht? Oder wann ist ein Werk von mir gut und wann stehe ich nur verklärt da, weil die Arbeit daran so schön war, das Stück selbst aber gar nicht so künstlerisch wertvoll ist, wie von mir angenommen?
Bepackt mit diesen schweren Überlegungen habe ich mich nun also in mein Kämmerchen zurückgezogen und alle meine von mir akribisch gehorteten Artikel mal zusammen getragen.

Wo fängt man an? Wo hört man auf? Die Schülerzeitung habe ich von vornherein ausgeschlossen, das war eher weniger ernst zu nehmen. In der Zeit hatte ich mit der „richtigen“ Zeitung einfach schon genug zu tun. Doch auch das wurde schließlich eingestellt und ich ging weg zum Studium. Es folgte eine Zeitspanne fernab des Journalismus. Andere haben sofort Anschluss gefunden, begannen sofort wieder zu schreiben. Ich jedoch fühlte mich fehl am Platz, wusste noch nichts von und über die neue Stadt – wie sollte ich dann darüber beichten? Der Blog wurde – wie ihr wisst – mein neues Ausdrucksmittel.
War das im Nachhinein ein Fehler? – Vielleicht. Aber ändern kann ich es nun auch nicht mehr und Reue darüber verspüre ich auch nicht. Es war in dem moment das Richtige für mich. Einige wenige neue Erfahrungen konnte ich dennoch sammeln – allerdings längst nicht auf dem Niveau, wie ich es von früher gewohnt war. „Wenn du dich hier bewiesen hast, kannst du vielleicht dann auch in dem Magazin für die Erwachsenen mitschreiben“, wurde mir in Aussicht gestellt. Nur blöd, dass ich mich in der Partykultur nicht beweisen konnte – da ich eben mehr in die schöngeistige Literatur- und Kulturszene passe. Schon immer. Schon damals. 

Ich muss ja ehrlich sagen – so pulitzerpreisverdächtig waren da einige Arbeiten von mir auch nicht. Ich habe beim Durchblättern sogar einen Artikel gefunden, in dem ich über Käsesorten geschrieben habe. Als Aufmacher der Seite. Und das war kein Sommerloch, Ladys und Gentlemen! 
Aber auch schöne Artikel fallen mir wieder in die Hand. Ein Artikel über einen besonderen Kirchenchor, bei dessen Probe ich eine Stunde lang Gänsehaut hatte. Ein Artikel über den Beruf des Tanzlehrers, für den meine Schwester herhalten musste. Ein Artikel über Jugendliche und Haustiere – übrigens auch mit meiner Schwester in der Hauptrolle, welche wir aber kackendreist umbenannt haben, damit es nicht auffällt. Jaja, so sind die Journalisten. 
Es gibt auch einen Aufmacher, für welchen ich sehr viel Lob eingestrichen habe damals. Selbst von der oberen Chefetage, die ich selbst niemals zu Gesicht bekommen hatte, wurde er positiv hervorgehoben. Lese ich ihn heute, weiß ich nicht mehr, warum. Er ist okay, aber er ist doch nicht perfekt. Da habe ich eigentlich schon bessere geschrieben. 

Dennoch kristallisiert sich langsam in meinem Unterbewusstsein wieder ein Gefühl heraus. Ein Gedanke, eine Gewissheit, die zu schwelen beginnt. Reportagen, Berichte, Schilderungen, Meinungen. Geschehnisse, die vom Leser weit entfernt passieren und durch meine Worte ihm vor Augen, mitten ins Herz geführt werden. Das ist es. 

Nach eingehender Betrachtung und Beratschlagung mit meinem Liebsten entscheide ich mich also für vier Artikel. Vier Arbeitsproben. Vier Stückchen meiner Geschichte. 
Ich bin nervös und habe Angst, dass sie mir nicht gerecht werden. Sind es die richtigen? Gefallen sie den Prüfern? Zeigen sie mich? 
Arbeitsproben. Das ist wirklich ein zweischneidiges Schwert. Hilfe zur Selbstfindung – und gleichzeitig Gefahr des Verlustes. 

15 Gedanken zu „Arbeitsprobe und Gedankengänge…

  1. Carolin Bertram

    Ich hab mir vor einigen Wochen mal ein paar Listen gemacht: Was mag ich? Was kann ich? Was will ich?
    Wichtig ist, dass dir die Artikel gefallen und sie in die Richtung gehen, die du nach wie vor magst. Denn was nützt es, wenn du Arbeitsproben passend zur Stelle raussuchst, dich aber damit eigentlich nicht identifizieren kannst?
    Liebe Grüße und einen schönen ersten Mai!

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    1. palandurwen Artikelautor

      *nick so in etwa dürfte das auch hinkommen.
      Ich frage mich nur auch, ob es problematisch ist, dass die Arbeitsproben teilweise schon mehrere Jahre alt sind … aber naja, es wird schon irgendwie werden. ^^

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  2. Noctua

    Oh, das sieht aber immerhin aus, als könntest du aus einer ganz ordentlichen Menge auswählen – zumindest aus deutlich mehr, als ich. 😉
    Ich drücke die Daumen dafür, dass deine Arbeitsproben dir zu Erfolg verhelfen werden. 🙂

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  3. azalea ostwind

    … ich hab Dir bei Artikeln geholfen? *grübel

    Also an den Bericht über die Tabzlehrerausbildung kann ich mich schwach und verrußt erinnern, aber über Jugendliche und Haustiere? Echt?! Musst Du mir mal zeigen. XD

    Ich drück Dir ganz feste die Daumen!!! 😉

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    1. palandurwen Artikelautor

      *kicher also eine andere "Jana" mit einem Meerschwein namens Snoopy bei Tierarzt Dr Raabe fällt mir nicht ein 😉
      zeig ich dir dann mal bei Gelegenheit 😀

      Danke schön

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    1. palandurwen Artikelautor

      Das ist lieb, danke schön ^^
      Und ja, das mit dem Käse war kuhl – aber längst nicht der einzige abgedrehte Test, den wir gemacht haben *hihihi ^^

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  4. Jasmin

    Ui, das ist aber ein großer Haufen! 😮

    Das Gefühl kennen wir wohl alle, die in einem Berufsfeld unterwegs sind, wo der Inhalt von Mappen und diese nervigen Proben des eigenen Könnens mehr zählen, als Abschlussnoten und der perfekte Lebenslauf. Manchmal ist das gut. Manchmal würde ich es mir aber auch anders wünschen.

    Mir ist witzigerweise grade eingefallen, dass ich auch mal in die Richtung wollte, in der Du unterwegs bist. Bei mir scheiterte es allerdings schon damals am "richtigen" Abitur. Was nicht heißt, dass der Weg für den ich mich entschieden habe, einfacher ist.^^

    Liebste Grüße!

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    1. palandurwen Artikelautor

      Oh Gott bewahre! Ich glaube, das nimmt sich wirklich nichts im Schwierigkeitsgrad *puh
      Aber spannend, dass du auch mal soetwas angepeilt hast (was auch immer bedeutet, dass man nicht das richtige Abi hatte – kann man auch das falsche abi haben? *grübel)
      Ich hoffe ja, dass ich irgendwie einen kleinen Teil deines Weges in meinen mit einweben kann … mal schauen wie das alles klappt … ^^

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  5. Jennifer Albrecht

    Holla die Waldfee, da hast du ja einiges zusammengetragen. O_O
    Meine Arbeitsproben gibt es mittlerweile voll und ganz in Linkform. Das kommt eben davon, wenn man Online-Redakteurin ist.

    Aber solche Aufmacher habe ich auch noch in Thüringen liegen. Als Lokaljournalist schafft man es dann doch öfters mal ganz nach vorn im Lokalteil. Ich war trotzdem immer stolz und ich glaube, das kannst du auch sein – auch heute noch und auch, wenn die Artikel mittlerweile nicht mehr deinem Standard entsprechen. Du hast dich eben über die letzten Jahre weiterentwickelt. 🙂

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    1. palandurwen Artikelautor

      Hm, so viel finde ich das gar nicht *lach aber vllt. habe ich da auch eine verzerrte Wahrnehmung XD

      auf jeden Fall schon mal danke schön ^^ – ich denke auch, dass ich mich dafür auf jeden Fall nicht schämen muss ^^
      Meine Onlineproben habe ich ja via Link im Lebenslauf stehen – wir werden sehen, ob das klappt 😀

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  6. Goldkind

    (OH man. Dieser Blogpost wurde mir klammheimlich unterschlagen! Nicht das ich bald deine Einträge auch nicht mehr auf dem Dashboard sehen kann? O.O)

    Also die Masse, die du da zeigst ist wirklich beeindruckend! Und immerhin ist es ja auch vielfältig (und über Käsesorten kann auch nicht jeder Schreiben. *g*)!
    Da hast du bestimmt was schönes ausgesucht. 🙂 Ich halte dir die Daumen, dass sie dir weiterhelfen!
    Chakka!

    Antworten
    1. palandurwen Artikelautor

      ey, blogspot – nur am rumspinnen! Das ist ja wirklich ärgerlich! Aber schön, dass du ihn doch noch gefunden hast und vielen Dank für deine liebe Worte 🙂

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  7. Pingback: Hamburg meine Perle - Ein Sachse in der Hansestadt... - Palandurwens Imaginarium

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