Mein Körper weiß alles

Banana Yoshimoto – Mein Körper weiß alles.

Ihr Lieben!

Seit ewigen Zeiten schon ist Banana Yoshimoto eine meiner Lieblingsautorinnen. Ihr kennt sie nicht? Kein Wunder, sie ist ziemlich unbekannt in Deutschland. In ihrer Heimat Japan ist sie allerdings so eine Art Popstar der modernen Literatur. Sie scheint eine Art Sprachrohr ihrer und der folgenden Generation zu sein und die Jugendlichen dort ziemlich stark anzusprechen.
Hier in Deutschland funktioniert das wohl nicht ganz so gut, was ich generell aber immer sehr schade finde, denn sie ist meiner Meinung nach einfach großartig. Sie schreibt für gewöhnlich mit einer beklemmenden, fesselnden Leichtigkeit, die Übernatürliches und Unerklärliches wie Selbstverständlich in das menschliche Dasein verweben kann und die mit teilweise so puren und leisen Tönen in mir ganze Gefühlsstürme auszulösen vermag. Allerdings – ich sagte es bereits – für gewöhnlich. Das bringt mich zum aktuellen Stück Literatur aus ihrer Feder:

Banana Yoshimotos „Mein Körper weiß alles. Dreizehn Geschichten.“

via

Es ist ein Sammelband voll mit 13 Geschichten, die spürbar, die merklich anders sind, als das bisher von ihr Verfasste. Dieses Mal konzentriert sich Yoshimoto stark auf das Körperliche. Die Geschichten erzählen meist von Personen, die Dinge tun müssen, die Momente empfinden müssen und oft gar nicht wissen, aus welchem Grund das alles auf diese oder jene Art geschieht. Die Geschichten sind untypischer Weise stark im Irdischen verwurzelt und versuchen einer ganz anderen Verbindung auf den Grund zu gehen: der zwischen Körper und Geist. 
Ob es nun die Enkelin ist, die plötzlich ihren grünen Daumen in der Todesstunde ihrer geliebten Großmutter entdeck, ob es die junge Frau ist, die sich hormongesteuert und von der Situation völlig gefesselt auf ein nächtliches Abenteuer mit einem jungen Unbekannten einlässt, ob es die Büroangestellte ist, die den scheinbar unnützen Kollegen beweint – es sind alles Momentaufnahmen, die Yoshimoto hier aufzeigt. Momente, die körperlicher, sinnlicher Natur sind, die die Figuren aber dennoch wachsen lassen.

Mir persönlich ist diese neue Art der Geschichten anfangs schwer gefallen zu akzeptieren. Aber jeder Künstler muss sich weiter entwickeln und wenn man es als Leser zulässt, so nimmt er einen auf seinem weiteren Weg mit. 
Die teilweise sehr direkte, unverblümte Wortwahl hat mich zwar nach wie vor erschreckt, aber ich bin im Nachhinein mit dem Band doch wieder versöhnt. Denn durch Geschichten wie „Papas Spezialität“ fand ich „meine“ Banana in all der Körperlichkeit doch wieder. Mit Zeilen wie diesen entschuldigte sie sich fast bei mir für das Vorhergehende und noch Kommende:

„… Nur dieses eine Bild längst verlorener Verbundenheit hatte sich in meine Seele eingebrannt – so klar und deutlich wie Scheinwerferlicht, das in der Nacht die Straße erhellt. Das Bild einer Familie, die im Schein der Lampe um den Tisch sitzt. Wenn der Fernseher aus ist, hört man nur noch das Geräusch wogender Bäume. Undurchdringliche Finsternis. Der Atem meines schlafenden Bruders. Vaters Schnarchen. Mutters aufgelöstes Haar. Eine Familie, die sich im Dunkeln aneinanderschmiegt…“

Insgesamt würde ich also sagen, für eingefleischte Banana-Fans eine Geschmacksumstellung, auf die man sich aber einlassen sollte. Für Banana-Neulinge vielleicht ein seichter Einstieg in ihre Welt – wenngleich ich auch den Neulingen empfehlen würde, ältere Bücher von ihr zu lesen (z.B. „Dornröschenschlaf“ oder „Eidechse“).

Für alle Interessenten, hier noch mal die harten Fakten 😉

Banana Yoshimoto: Mein Körper weiß alles. Dreizehn Geschichten.
9,90 €
im Diogenes Verlag erschienen
ISBN: 978-3-257-24154-9

8 Gedanken zu „Banana Yoshimoto – Mein Körper weiß alles.

    1. palandurwen Artikelautor

      Banana ist ja auch nur ihr Künstlerpseudonym *g 😉
      Eigentlich heißt sie Mahoko Yoshimoto und ist Tochter eines in Japan wohl sehr bekannten Essayisten und Literaturkritikers 🙂
      Liegt wohl in der Familie *hihi

      *flauschi

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    1. palandurwen Artikelautor

      Oh ja, das war ja ihr erstes Buch und gleichzeitig ihr erster Durchbruch – und das erste, was ich per zufall aus langeweile von ihr gelesen habe und seit dem von ihr INFIZIERT bin!!! ^^
      Außer das eine Buch, wo die Figuren nach Ägypten reisen (ich glaube, es heißt "sly") habe ich ALLES von ihr *großeLiebe
      schön, dass du sie auch so magst ^^

      Antworten
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