Laura Newman – Coherent

Ihr Lieben!

Mir wird ja immer von meiner Familie und meinem Liebsten vorgeworfen, ich würde quasi im Internet leben und zu viel am Handy kleben. Das ist wohl ein Berufsrisiko, wenn man in diesem Metier arbeitet. Aber um ehrlich zu sein – es macht auch Spaß! Wäre es nicht toll, wenn man gar nicht mal mehr ein technisches Gerät vor der Nase bräuchte, sondern sich einfach so einloggen könnte? Dieser faszinierenden Idee geht Laura Newman in ihrem Roman „Coherent“ nach…

Newman_Coherent

Die Handlung.

Die 17-jährige Sophie verliert ihre Eltern bei einem Autounfall. Noch fast gänzlich von ihrer Trauer umfangen, stellt sie jedoch fest, dass das Leben nicht anhält. Und so muss sie sich mit lästigen Gegenbenheiten wie einem Schüleraustausch nach Frankreich herumschlagen, anstatt sich, wie das eigentlich normal wäre, für immer zu verkriechen. Sich zu verkriechen hätte außerdem noch den Vorteil, dass sie sich nicht mehr mit diesen furchtbaren Kopfschmerzen herumärgern müsste, die sie seit geraumer Zeit in Gegenwart von allen möglichen elektrischen Geräten befallen. Doch es hilft alles nichts.

In Europa angekommen bemerkt sie jedoch alsbald, dass nicht alles so schrecklich ist, wie es erst scheint. Denn genauso wie Frankreich auch seine netten Seiten hat (mit Namen Jean), so erkennt Sophie, dass sie eine eigenartige Gabe hat: Sie kann sich allein mit Gedankenkraft ins Internet einwählen. Zusammen mit Jean versucht das junge Mädchen alles, um diese Fähigkeiten zu ergründen. Doch dabei entdeckt sie – nicht nur sie selbst ist da etwas auf der Spur. Eine mysteriöse Organisation namens The Hive scheint sie ins Auge gefasst zu haben und so beginnt eine abenteuerliche Flucht …

Natürlich brauchte sie etwas! Sie brauchte ihre Eltern! Solange Anna neben ihrer Malerei nicht auch einen Weg gefunden hatte, Menschen zu klonen oder von den Toten aufzuwecken, gab es nichts, dass sie Sophie geben könnte. (…)

Nur hier draußen, weitab von der städtischen Reizüberflutung konnte sie existieren. Nur dort war es möglich, auch mal einen klaren Gedanken zu fassen. In der Stadt hörte sie es ticken und rattern, surren und rumoren. Sie vernahm jeden noch so kleinen Laut, spürte jeden Schaltkreis, jedes Rädchen im Getriebe. Zumindest nannte sie das Wirrwarr aus Informationen und Signalen, die sich ihr täglich ins Hirn brannten, so. (…)

Und dann kam der erste Schultag nach den Ferien. Mit ihm die Hiobsbotschaft. Vor lauter Trauer und Selbstmitleid hatte sie es einfach vergessen. Der Schüleraustausch. In was hatte ihre Mutter sie da nur reingeritten?

Coherent, S. 8 f.

Die Kritik.

Sophie ist schon ein taffes Mädel. Wer sich diese Situation einmal vorstellt, wird sich denken könne, wie verstörend das Ganze sein muss. Plötzlich kommuniziert der Drucker mit einem! Es ist eine faszinierende Idee, die Laura Newman in ihrem Roman ausarbeitet und verfolgt. Allein die Beschreibungen der Momente, wenn Sophie ihre Gabe einsetzt, sind sehr beeindruckend, so dass die Scince Fiction ganz nah an den Leser herangeholt wird. Selbst Menschen, die mit diesem Genre nicht weiter vertraut sind, können sich so daran versuchen. Denn auch wenn so mancher Begriff aus der IT-Welt fällt, der den Lesefluss für ungeübte Augen ein wenig behindern könnte: Alles wird beiläufig erklärt, ohne wie ein Lehrbuch für Informatik zu klingen.

Denn die Geschichte ist allem voran keine düstere Zukunftsvision, in der die Technik uns unterjocht hat, sondern eine Geschichte von einem jungen Mädchen, dass unglücklicher Weise in ganz irdische Machenschaften hineingezogen wurde. Zum Glück steht sie nicht ganz allein dieser geheimnisvollen Organisation gegenüber, sondern hat mit Jean einen charmanten Mitstreiter. Somit wird schnell klar – hier ist auch Liebe im Spiel! Doch Newman sei Dank driftet das Ganze nicht in eine klischeehafte Jugendstory ab.

Grund dafür sind zum einen die mehrfachen Perspektivwechsel. Der Roman springt zwischen Sophie, Jean und Lamar Bishop – einem Mitglied des Hives – hin und her und so kann der Leser viele kleine Puzzelteilchen zusammensetzen. Der Schreibstil ist dabei locker und cool, an den richtigen Stellen kommt ein Witz, an den entscheidenden Punkten weiß Laura Newman aber aus der Stimmung auch das letzte bisschen Spannung zu kitzeln.

Die wohl einzigen zwei Kritikpunkte, die nun aufkommen könnten, sind folgende: Zum einen lässt sich die Autorin zu Beginn Zeit, ihre Charaktere und Handlung aufzubauen. So könnten böse Zungen sagen, das erste Drittel des Romans wirke doch ein wenig stereotyp wie ein 0815-Jugendbuch. Dass dem jedoch eindeutig nicht so ist, zeigt sich im Folgenden. Der zweite Kritikpunkt ist der entscheidende Plot-Twist. Denn so clever diese Idee auch wahr, so schwierig könnte mancher sich damit haben. Jedoch war es ein nötiger Kniff, der den gesamten Roman nochmals eine Stufe tiefer in die emotionalen und moralischen Abgründe brachte, die ihn schließlich ausmachen werden. Denn wie heißt es so schön? Mit großer Kraft kommt große Verantwortung! Ob Sophie dieser gewachsen ist?

Das Fazit.

„Coherent“ ist eine spannende Geschichte, die uns auf eine abenteuerliche Reise mitnimmt. Gefühle, Witz und Action kommen gleicher Maßen zum Einsatz. Wer sich auf die Story einlässt, wird definitiv überrascht werden und kann eine gute Zeit mit Sophie und Jean, aber auch mit den herrlich kauzigen Nebenfiguren verbringen. Darum hier eine definitive Leseempfehlung für alle, die Lust auf den Genremix Jugend-SciFi-Romanze haben!

Die harten Fakten:

Laura Newman – Coherent
14,90 €
erschienen im Drachenmond Verlag
ISBN: 978-3-959-91083-5

Ich bedanke mich beim Drachenmond Verlag für die kosten- und bedingungslose Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

2 Gedanken zu „Laura Newman – Coherent

  1. Goldkind

    Also wenn ich an „ständig online“ denke, habe ich ganz bestimmt nicht dich vor Augen. Ehrlich. 😉

    Übrigens habe ich vor einiger Zeit ein Buch gelesen, dass sich ebenfalls mit „Einloggen“ beschäftigt – *suchsuchsuch* – der Titel lautet „Mind Games“ von Teri Terry. Das war ebenfalls spannend!

    Antworten
    1. palandurwen Artikelautor

      Naja, für meine Familie und den Liebsten aber schon XD

      Terri Terry finde ich ja niedlich als Name – aber danke für den Tipp, werde ich mir mal merken! Bin aber erstmal gespannt auf deine Meinung dann zu Zodiac 😀

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.