Das Letzte Wort – Juli.

Materialismustrauer.
Es war einmal ein kleines Mädchen, das war an und für sich sehr glücklich. Allerdings musste es, wenn die Sonne schien, immer die Augen zukneifen und sah so nicht mehr, wohin es lief. Da kam ein schöner Prinz daher und schenkte ihr ein kostbares Gut, welches sie vor der Sonne schützte und mit dem sie endlich wieder sehen konnte. Seither trug sie es jeden Tag, wenn die Sonne schien, und war noch glücklicher. Und wenn sie nicht gestorben ist, dann freut sie sich noch heute … 
Aber das tut das kleine Mädchen nicht mehr, denn sie hat dieses Geschenk – man nennt es auch Sonnenbrille – verloren. In der größten Not, als die Sonne am höchsten stand und sie sich im wildesten (Einkaufs-)Gedränge wiederfand, war die Brille – weg. 
Es ist doch wirklich schon albern, wie heftig meine Reaktion darauf war. Ich lief wie ein Spürhund auf Drogensuche, den Blick fest auf den Boden gerichtet, jeden meiner Schritte, den ich bis zu dem Punkt gemacht hatte, an dem ich sie noch sicher bei mir wusste, zurückverfolgend, fragte in allen Geschäften nach, suchte in allen Ecken – aber sie blieb verschwunden. Und da, mitten in der Einkaufsstraße dieser großen Stadt, in der dickesten Hitze, im lustig munteren Shoppingtreiben – began ich zu weinen und zu schluchzen!
Der Grund? Nun, meine Vernunft schiebt es auf den Materialisten in mir. Eindeutig. Das Ding war schließlich sauteuer gewesen. Der kleine runde Narzist mit seinen blonden Locken in meinem Hinterkopf brüllt zudem wütend: „Und die stand mir doch so gut, so eine finde ich doch nie wieder!“ Und ganz kläglich jammernd fügt mein Herz noch an: Es war ein Geschenk. Von ihm!
Mein Dusterklumpen stopft sich seine Finger in die Ohren. Er freut sich nicht gerade über die ganzen anderen Stimmen in meinem Kopf. Er ist lieber alleine für meine schlechte Laune zuständig und veranstaltet darum etwas ganz ungewohntes. Er macht mich darauf aufmerksam, wie lieb sich mein Liebster um mich kümmert, wie er mich tröstet und meinen Kummer versucht zu lindern. Er ist kein bisschen böse, er scheint meine Traurigkeit über diesen Verlust, die weit über den Aspekt des Geldes oder der Optik hinausgeht, zu verstehen. Und genau dieses Verständnis holt mich zurück aus meiner Materialismustrauer. 
Und ein wenig irritiert über seinen Beistand scheuche ich all die anderen Stimmen wieder in ihre Käfige und spendiere meinem Dusterklumpen eine Kugel Eis. Zufrieden schleckt er daran. 
Eine halbe Stunde später raunt er mir allerdings zu: „Aber weg ist die Sonnenbrille ja schon…!“
War ja klar.
   

2 Gedanken zu „Das Letzte Wort – Juli.

  1. Goldkind

    Oooch, armes Pony. *drück*

    Ich kenn das ja auch. Ich kann mich in solchen Situationen am besten über meine eigene Dummheit aufregen… 😉
    Anyway. Wie du sicherlich schon erkannt hast: Es ist nur ein Ding! 🙂

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    1. palandurwen Artikelautor

      ^^; danke – und ja, genau darüber habe ich mich auch so sehr geärgert! Zumal ich es nirgendwo habe klackern gehört oder so – und weggelegt habe ich sie mMn auch nicht – ich kann es mir nicht erklären ~.~

      Das stimmt, es ist nur ein Ding – und ich muss lernen, nicht so sehr an Dingen zu hängen … aber bei der fällt mir das irgendwie echt schwer *lach ^^
      Und vor der Suche nach einer neuen graut es mir auch schon echt -.-

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