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Marie-Sabine Roger – Ein Himmel voller Sterne

Ihr Lieben!

Juchu! Ein neuer französicher Roman aus dem Atlantik Verlag! Und dann auch noch von Marie-Sabine Roger! Den *musste* ich einfach haben. Und just als ich „Ein Himmel voller Sterne“ endlich zwischen den Fingern hatte, konnte ich es auch fast nicht mehr weglegen. So viel sei schon jetzt verraten: Ein tolles Stückchen Literatur!

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Der Inhalt.

Jeder Autor hat seine Muse. Das ist nicht immer ein hübsches, junges Mädchen oder eine sinnlich-geheimnisvoll Frau. Manchmal ist es auch ein über Siebzig Jahre alter, grummeliger Nachbar, der einen mit Whisky vollpumpt und immer einen bissigen Spruch auf Lager hat. So zumindest erging es Merlin, seines Zeichens Illustrator und Autor. Sein Freund Laurent bildet die Vorlage für seinen Comic-Helden Wild Oregon. Doch was tut man, wenn die Muse stirbt?

Und was, wenn diese einem dann auch noch ein Testament hinterlässt, indem der letzte Wunsch lautet: Lass mich die Liebe meines Lebens finden! Nun sitzt Merlin da und weiß nicht weiter. Verzweifelt über den Tod des besten Freundes und völlig überfordert von dieser Verantwortung droht Wild Oregon für immer zu scheitern. Doch dann findet der 94-jährige Onkel von Laurent seine Liebe und plötzlich scheint alles möglich…

Die Kritik.

Allein die Handlung. Es ist ein Genuss. So herrlich bizarr, so wundervoll verschroben. Das musste aus einer französischen Feder fließen. Schon der Klappentext klang in meinen Ohren sehr viel versprechend. Und ich muss sagen – auf den knapp 300 Seiten wurde ich nicht enttäuscht.

Zum einen ist das Charakterdesign einfach nur liebevoll und detailreich. Die Figuren haben Ecken und Kanten, sind schrullig und einfach echte Typen. Doch dabei verlieren sie nie den Boden unter den Füßen. Sie sind greifbar und real – und eigentlich wünscht man, es wären die eigenen Nachbarn. Aber nein, sie leben in einem kleinen abgelegenen Ort, irgendwo in der französischen Pampa. Trotzdem scheinen sie einem direkt, nah und unfassbar sympathisch zu sein. Marie-Sabine Roger versteht es, Menschen zu formen!

Und sie versteht es, diesen Steine in den Weg zu legen, sie darüber stolpern zu lassen und ihre inneren Vorgänge mit wenig Tamtam und auf den Punkt gebracht zu vermitteln. So leidet man mit Merlin. Erst wegen des Verlustes, dann wegen der schweren Bürde. Man durchlebt all die Phasen eines Künstlerdaseins: Die Selbstzweifel, die Verzweiflung, der plötzliche Geistesblitz, die pure Euphorie und das wohlige Zurücklehen am Ende. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg.

Diesen hat die Autorin aber auf ganz besondere Weise gestaltet. Denn da man stets aus Merlins Perspektive erzählt bekommt und dieser nun mal ein Illustrator ist, werden zwischendurch viele Gedankenspiele, emotionale Situationen und auch einfach witzige Ideen des Malers in einer Art kleinen Bildbeschreibung fast skizzenhaft eingefangen. Diese Erzählweise ist neu und ungewohnt, aber nicht sperrig. Im Gegenteil – sie verleiht dem Ganzen einen noch persönlicheren Touch und bringt die Künstlerseele wundervoll zum Ausdruck.

Das Fazit.

„Ein Himmel voller Sterne“ ist ein wirklich schönes Stück Literatur. Kurzweilig, unterhaltsam, dabei aber nicht unbedeutend, denn die Emotionen der Figuren vermögen es, den Weg vom Papier direkt in das eigene Herz zu finden. Aber keine Sorge, der Roman ist keine Kitschschlacht, sondern ein typischer Roger – also mit viel Wortwitz und Ironie gewürzt. Wahrscheinlich berührt er vor allem, weil er so echt ist. Somit bleibt mir an dieser Stelle nur zu sagen, dass ich dem Buch auf jeden Fall eine uneingeschränkte Kaufempfehlung ausspreche!

Die harten Fakten:

Marie-Sabine Roger – Ein Himmel voller Sterne
20,00 €
erschienen im Atlantik Verlag
ISBN: 978-3-455-60057-5

Ich bedanke mich beim Atlantik Verlag für die kosten- und bedingungslose Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

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Meine Top 3: Wenn der Film das Buch schlägt…

Ihr Lieben!

Ganz ehrlich? Ich bin ja eigentlich ein Mensch, der es nicht hören kann, wenn immer gesagt wird: „Im Buch war das aber anders!“ Leute! Filme und Bücher sind unterschiedliche Medien mit unterschiedlichen Möglichkeiten, Vorteilen und Nachteilen. Was in einem Buch ausufernd und detailliert auf acht Seiten beschrieben werden kann, muss zu Gunsten der Dynamik in einem Film vielleicht in wenigen Sekunden eingefangen oder ganz weggelassen werden. Es sind beides eigene Kunstwerke. Und somit bin ich eigentlich ein Freund davon zu sagen: „Der Film war anders, aber dennoch gut.“

Manchmal muss aber auch ich einräumen, dass die Kluft zwischen Buch und Film einfach zu groß ist und die Interpretationen doch ein bisschen sehr seltsam sind. Aber – und nun kommen wir zum Kern dieses Posts – ab und an verhält es sich auch umgedreht und die Verfilmungen sind für mich einfach stimmiger, runder, spannender. Diesem Phänomen bin ich einmal nachgegangen und zeige euch heute meine Top 3: Wenn der Film das Buch schlägt!

Top3-Film-vor-Buch-ChocolatPlatz 3 – „Chocolat“

Kennt ihr den Film? Es geht um die alleinerziehende Vianne, die mit ihrer Tochter Anouk in ein kleines verschlafenes französisches Nest zieht und dort eine Schokolaterie eröffnet. Damit fällt sie insbesondere dem Bürgermeister unangenehm auf, beginnt doch die christliche Fastenzeit. Es entbrennt ein unterschwelliger Machtkampf zwischen ihm und Vianne, der das Dorf immer mehr zu spalten scheint. Als auch noch Fluss-Vagabunden auftauchen und sie sich mit diesen zu verbrüdern scheint, reißt dem Stadtoberhaupt der Geduldsfaden.

Ich habe zuerst den Film gesehen, in welchem Vianne von Juliette Binoche gespielt wird, die sich natürlich in den Flusspiraten Roux vergucken muss – wie kann sie auch nicht, wird er doch von Johnny Depp gespielt. Die ganze Szenerie, die Atmosphäre und Erzählweise des Films sowie auch die Musik dazu strahlen diese unglaublich schöne, vielleicht ein wenig melancholische Leichtigkeit aus. Ich hatte gehofft, dass das Buch von Joanne Harris diesen Zug ebenfalls in sich trägt. Aber ich muss sagen – so sehr ich es auch mochte, an den Film kommt es leider nicht ganz heran. Selten bevorzuge ich bewusst eines der Medien vor dem anderen – hier war es aber der Fall. 

Es gibt inzwischen sogar eine Fortsetzung, welche mir vom Klappentext her schon etwas wirr erscheint, weswegen ich sie noch nicht gelesen habe. Lieber greife ich dann doch zur DVD und schwelge nochmal mit den Akteuren im Schokoladenfieber.  

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Platz 2 – „Harry Potter und der Phoenixorden“

Den Jungen, der überlebt hat, kennen wohl inzwischen alle. Wenn schon nicht aus den Büchern, dann ist er doch wohl durch die Verfilmungen schon den meisten begegnet. Ich bin, wie wohl die meisten meiner Generation, mit dieser Geschichte aufgewachsen und so wie ich reifer wurde, wurde
auch Harry … naja, er kam in die Pubertät. Zumindest ist das immer so mein Eindruck, den ich von Band 5 habe.

Denn innerlich rebelliert in mir alles, wenn ich an das Leseerlebnis von damals zurückdenke. Irgendwie habe ich nur im Gefühl, dass er ständig am Rumheulen und Jammern war und allen vor den Kopf gestoßen hat, die ihm helfen oder ihn verstehen wollten. Nerviger Junge (oder besser: armer, hormongeplagter Junge?) Wie auch immer. Dieser Teil hat mir Harry Potter auf jeden Fall lange Zeit mies gemacht und ich habe mich tatsächlich mehrere Jahre geweigert, Band 6 und 7 zu lesen, geschweige denn die Filme zu schauen. (Inzwischen bin ich damit wieder versöhnt, keine Sorge ^^) 

Mit sehr gemischten Gefühlen habe ich mir also noch den fünften Teil im Kino angesehen und meine Reaktion danach war tatsächlich ein völlig irritierter und gleichzeitig erleichterter Aufschrei, dass dieser Film ja so viel besser war, als das Buch. Und sowas aus meinem Munde! Ich war selbst ein bisschen erschüttert. Aber er hatte für meinen Geschmack längst nicht all diese nervigen und zähen Züge, die mir das Buch irgendwie verleidet haben. Er war flotter, direkter und ohne zu viel emotionalen Balast (und sowas auch aus meinem Mund – wo ich doch sonst die emotionale Obernudel schlechthin bin… ^^).

Während ich also die Bücher 1-4 alle etwa drei bis fünf Mal gelesen habe und Teil 5-7 nur einmal, habe ich die Filme hingegen wohl insgesamt schon sehr sehr häufig gesehen und muss eben sagen, dass mir „Harry Potter und der Phoenixorden“ immer besser gefallen wird, als die Vorlage. Ähnliches hat sich ja auch bei Band 7 wiederholt, da allerdings nicht ganz so drastisch. ^^

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Platz 1 – „Der Teufel trägt Prada“

Also selbst, wenn man keine Fashionikone ist, kam man wohl an diesem Film nicht vorbei. Die Besetzung ist mit Merryl Streep und Anne Hathaway ohnehin schon einfach grandios, die Story macht ihn umso besser. Der Plot ist schnell erzählt: Junges Mädchen will Journalistin werden und landet als Assistentin des größten Drachens in der Medienbranche bei einer Modezeitschrift, wo sie eine harte Schule durchlaufen muss, sich fast selbst verliert und zum Schluss aber doch die Notbremse zieht und eine lebensumstellende Entscheidung trifft. Doch auch schon das Tempo, die Musik und dazu die – seien wir ehrlich – zum Großteil einfach echt tollen Klamotten machen diesen Film sehenswert und amüsant!

Sehr begeistert nahm ich also eines Tages die Romanvorlage von Lauren Weisberger von einem Buchausverkauft mit und begann zu lesen. Und quälte mich von da an durch die Seiten des Romans. Wo war der Witz, die Leichtigkeit und der Charme der Geschichte hin – oder besser noch: Wo war die Geschichte hin? Denn hier verlief alles ganz anders. Andy war nicht in einer Wohnung mit ihrem Freund, sondern in einer winzigen WG mit ihrer Freundin Lilly, die nebenbei bemerkt ein Alkoholproblem hat und zum Ende hin noch einen Unfall baut, der Andy erst zum Schluss in das Bewusstsein holt, dass menschliche Beziehungen wichtiger als die Karriere sind. 

Der Roman ist sicherlich nicht schlecht, aber der Film ist in meinen Augen spezieller und bissiger. Leute, die zu erst das Buch in den Händen hielten, werden wohl die gleichen Gefühle nur umgekehrt verspüren, wenn sie sehen, was aus der Vorlage gemacht wurde. Ich hingegen bin mit diesem Werk wesentlich glücklicher als mit dem Buch.  

Kennt ihr dieses Problem auch? Was sind denn für euch solche Fälle? Schreibt mir gerne ein Kommentar und berichtet mir von euren schockierenden Film-schlägt-Buch-Momenten 🙂 

Künstlerportrait: Anja Uhren

Ihr Lieben!

Auf der Leipziger Buchmesse 2016 stieß ich zufällig auf eine deutsche Illustratorin, deren Stil direkt mein Herz eroberte. Zwei ganze Tage bin ich daraufhin um ihren Stand herumgeschlichen, bis ich mich schließlich traute, sie anzusprechen und auch eines ihrer wunderschönen Werke zu erwerben, mit dem Ziel, es zu rezensieren. Das hat nun zwar eine Weile auf sich warten lassen, was aber daran lag, dass aus einer einfachen Rezension ein größeres Projekt erwachsen sollte – nämlich ein Künstlerportrait – von Anja Uhren.

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Wer ist Anja Uhren?

Die 1991 in Deutschland geborene Anja lebt seit ihrem Abschluss an der Arts University Bournemouth in Sheffield, UK als freie Illustratorin. Ihre Bandbreite reicht vom klassischen Malen, Zeichen und Illustrieren, über Handlettering, Storieboarding, Animationen, Concept Art bis hin zum kreativen Schreiben.

Entsprechend bezeichnet Sie sich selbst als eine Geschichtenerzählerin, welche sowohl mit Wort als auch Bild versucht, Geschehnisse zu übermitteln. Sie sagt von sich, dass sie gerne reist – stets mit mindesten einem, besser noch einem zweiten Skizzenbuch im Gepäck – und eine Tagträumerin ist. Ihre Werke bewegen sich dementsprechend oft in märchenhaften Gefilden, aber auch den Alltag und seine großen und kleinen, bewegenden Emotionen nimmt sie in Angriff – wie etwa in ihrem Buch „What is Home?“.

5 Fragen an Anja

1. Seit wann und warum zeichnest du schon? Wann hast du das erste Mal zum Stift gegriffen?

Das Zeichnen war für mich von Klein-auf eine ganz normale Alltagsgewohnheit, die ich wohl an erster Stelle meiner Mutter zu verdanken habe. Sie hat wirklich keine Mühe gescheut, mir und meinen Geschwistern alle Möglichkeiten zu geben, unserer Kreativität freien Lauf zu lassen und das hat mich so nachhaltig beeinflusst, dass der einzige Berufswunsch, den ich je hatte von Anfang an ‚Künstlerin‘ war und ich den Stift nie wieder zur Seite gelegt habe.

2. Du bist eigentlich Deutsche. Was hat dich dazu bewogen, nach UK zu gehen?

Obwohl ich wusste, dass ich etwas in Richtung Kunst studieren wollte, hat mich in Deutschland keine Uni/Hochschule so wirklich begeistert, da mir die angebotenen Kurse zu festgelegt erschienen und ich mehr experimentieren wollte. Meine Kunstlehrerin hat mich dann im letzten Jahr meines Abiturs auf eine Uni in England aufmerksam gemacht, die einen Kurs im Angebot hatte, der mir genau richtig erschien. Und so habe ich mich kurzerhand beworben, wurde angenommen und habe mich während meines 5-jährigen Studiums in Bournemouth so sehr in das Land verliebt, dass ich es bisher nicht wieder verlasen konnte.

3. Gibt es große Vorbilder oder Inspirationsquellen für dich?

Viele meiner derzeitigen Inspirationsquellen sind Künstler, die in der small-press/ Indie-publishing Szene tätig sind. Ich liebe es, auf Comic- und Zine-fairs zu gehen und durch die vielen Veröffentlichungen einen kleinen Einblick in das Leben anderer Menschen zu erhalten und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Dieser Austausch und diese Verbindungen sind für mich die schönsten Aspekte von ‚Kunst‘ allgemein und inspirieren mich unheimlich.

Davon abgesehen – und um noch mal ein paar konkrete Namen zu nennen – ein Künstler, der mich nun schon seit vielen Jahren mit seinen Werken fasziniert und motiviert hat, ist Dave McKean. Außerdem bin ich im Moment sehr angetan von Amanda Palmer, deren Buch ‚the Art of Asking‘ meine Weltanschauung recht nachhaltig geändert hat und die sich auf jeden Fall recht schnell zu einem großen Vorbild für mich entwickelt hat.

4. Wie würdest du selbst deinen Stil beschreiben? Was zeichnest du am Liebsten?

Mein Stil fällt im Moment für meinen Geschmack noch viel zu sehr in die Dark Fantasy/Märchen Kategorie, in der ich mich leider etwas festgefahren zu haben scheine. Meine eigenen Projekte gehen schon seit einiger Zeit in eine andere, mehr persönliche und weniger dunkel & mysteriöse Richtung. Aber die Aufträge, die ich bekomme, sind größtenteils in Anlehnung an die Arbeiten, die ich vor 2 Jahren mit Hingabe kreiert habe, mit denen ich mich jetzt aber immer weniger assoziieren kann. Diese Übergangsphasen sind immer etwas schwierig, aber ich hoffe Stück für Stück meine aktuell bevorzugte Art zu Zeichnen mehr und mehr durchsetzen zu können.

5. Was erträumst du dir für die Zukunft? Welche Pläne möchtest du gerne noch Wirklichkeit werden lassen? 

Ich habe viele Buchprojekte im Kopf, die ich sehr gern mit der Welt teilen möchte. Vordergründig zeichne ich, um Geschichten zu erzählen. Ich habe schon einige Verlage im Auge, mit denen ich unheimlich gern zusammen arbeiten würde, um diesen Geschichten eine Form zu geben. Außerdem möchte ich gern viel mehr Reisen, andere Kulturen kennen lernen und mich von den Eindrücken und Erkenntnissen zu neuen Geschichten inspirieren zu lassen.

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Ein Einblick: Fairies & Stories

Auf die weiteren Stilentwicklungen von Anja freue ich mich schon sehr. Um euch aber vom bisherigen Ist-Stand einen kleinen Eindruck zu verschaffen, möchte ich euch natürlich das von mir erworbene Werk vorstellen.

Ich habe mir damals Anjas selbst herausgegebene Collection von märcheninspirierten Illustrationen namens „Fairies & Stories“ gekauft, weil das natürlich ganz deutlich in mein Beuteschema fällt. Darin gibt es in kleinen Häppchen – mal nur als Bild, mal wenige Seiten lang, Einblicke in ihre ganz persönliche Interpretation verschiedenster Märchen und Geschichten. So gehen wir mit Kay zusammen zur Schneekönigin, wir fallen mit Alice durch das Kaninchenloch und wir leiden mit der kleinen Meerjungfrau mit.

Anjas Stil ist dabei immer eine Mischung aus düster und glasklar. Ihre Illusrationen sind detailreich und verspielt, mit vielen Verzierungen und manchen Elementen, die ein wenig an Tim Burton erinnern, aber sie kupfert dabei nie ab, sondern bringt ihre eigene, persönliche Note mit hinein. Farblich bewegt sie sich in „Fairies & Stories“ vor allem in gedeckten Tönen, sanft verwaschene, aquarellige Colorationen mit leuchtenden weißen Details. Alle Texte sind handschriftlich dazugeschrieben, ergänzt von der einen oder anderen Original-Bleistiftskizze.

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Insgesamt wirkt „Fairies & Stories“ also nicht wie ein Hochglanz-Bildband, sondern mehr wie ein Einblick in ein echtes Skizzenbuch, voller Visionen und Träume. Sehr inspirieren und absolut vielseitig. Mit jedem Aufschlagen entdeckt man etwas neues!

Wo findest du Anja?

Anja betreibt einen eigenen etsy-shop, in dem sie ihre wunderschönen Bilder, Postkarten, Lesezeichen und Bücher verkauft. Wer etwas mehr über sie als Künstlerin und ihr Schaffen erfahren will, sollte auf ihre Website oder ihren Tumbler-Account klicken. Ebenfalls viele schöne Einblicke gewährt sie bei Instagram.

Ein Teil von Anjas stand auf der Leipziger Buchmesse 2016.

Ein Teil von Anjas Stand auf der Leipziger Buchmesse 2016.

Ich danke Anja Uhren für ihre Zeit und Worte, mit denen sie mir geduldig meine Fragen beantwortet hat!

Schmöker-Sonntag: Der Fluch der Spindel

Ihr Lieben!

Bald ist Weihnachten und ich dachte mir, vielleicht hat der eine oder andere ja noch eine kleine Lücke auf seinem Wunschzettel bzw. in der Ideensammlung für die Lieben. Ich finde ja, unter dem Baum sollte eindeutig auch immer ein Buch liegen. Darum will ich noch schnell eine Anregung geben. Heute ganz märchenhaft (denn Weihnachten heißt auch immer Märchenzeit oder?) mit Neil Gaimans „Der Fluch der Spindel“.

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Der Inhalt.

Es klingt vertraut: Eine junge schlafende Schönheit, ein paar Zwerge, dazu ein Schloss hinter Dornen und eine Rettungsmission. Doch hier ist es nicht der noble Prinz auf seinem weißen Ross, der die arme Prinzessin wachküsst – es ist eine kluge junge Königin, selbst von einem Hauch Magie umgeben, die sich auf den Weg macht, um herauszufinden, welch seltsame Schlafkrankheit sich am Rande ihres Reiches auszubreiten droht.

Die Kritik.

Ich liebe Märchen. Das wissen eigentlich inzwischen fast alle. Darum ist auch diese wunderschöne Graphic Novel aus der Feder von Neil Gaiman ein absolutes Must-Have für mich gewesen. Schon allein die wirklich grandiosen Illustrationen von Chris Riddell machen das Buch zu einem wahren Genuss. Detailreiche Schwarz-Weiß-Zeichnungen mit gelegentlich ausgesuchten, goldenen Details geben der Geschichte einen edelen Rahmen.

Und das braucht sie auch, denn „Der Fluch der Spindel“ ist kein Märchen für Kinder, sondern für Erwachsene. Es kommt vom Ton gehoben und elegant daher, ohne zu schwülstig zu sein. Geradlinig, jedoch immer passend zur Handlung. So taucht man perfekt ein. Die Charaktere sind genauso glaubhaft ausgeformt. Seien es nun die Zwerge, die schöne Königin oder die obligatorische Hexe – sie alle haben Charme und Esprit.

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Das Fazit.

Es wäre nicht Neil Gaiman, wenn das Ende nicht noch einen spannenden Twist hätte. Ohne diesen wäre es zwar auch eine schöne Interpretation des Stoffs gewesen, aber genau diese Wendung gibt der Graphic Novel noch einen besonderen, latent düsteren Touch. Das Lesen war mir darum ein inneres Blumenpflücken, meine Märchenrezeptoren haben ob dieses klugen Schachzuges jubiliert. Zudem bleibt die taffe Königin auch nach Beendigung ihrer Aufgabe sich selbst treu. Schließt man dazu noch die wirklich schöne, gelungene Optik dieser Graphic Novel ein, so kann einfach nur eine 100%ige Kaufempfehlung für „Der Fluch der Spindel“ ausgesprochen werden!

Die harten Fakten:

Neil Geiman – Der Fluch der Spindel
16,95 €
erschienen im Knesebeck Verlag.
ISBN: 978-3-86873-872-8

Matthias Heine – Seit wann hat geil nichts mehr mit Sex zu tun?

Ihr Lieben!

Ich gebe es zu – Sachbücher lese ich doch eher selten. Wenn, dann müssen diese mich schon sehr sehr faszinieren. Und was könnte für eine studierte Germanistin faszinierender sein, als die schöne, deutsche Sprache? Darum habe ich mich auch mit größtem Vergnügen auf Matthias Heines Werk „Seit wann hat geil nichts mehr mit Sex zu tun?“ eingelassen.

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Der Inhalt.

Wörter sind keine statische Einheit. Sie entwickeln sich, haben Hochzeiten und versinken dann wieder im Sumpf des Vergessens. Das neigt man im normalen Sprachgebrauch gern zu vergessen und wundert sich darum manchmal über Kommentare älterer Generationen bezüglich der eigenen verlotterten Sprache. Darum hat sich Matthias Heine auf die Spur begeben und im reichen Fundus des Deutschen die spannendesten Werdegänge von Wörtern näher beleuchtet. Wusstet ihr etwa, dass die Krise eigentlich ein Begriff aus der Medizin war? Oder dass der Hiwi eigentlich gar nicht in der Studierstube, sondern an der Ostfront geboren wurde? Ganze 100 Wortwerdegänge erzählt Matthias Heine also seinen Lesern – und sorgt damit für einige Aha-Momente.

Die Kritik.

Sozusagen mein Kollege Matthias Heine – selbst studierter Germanist – hat in diesem 367 Seiten starken und dabei aber doch sehr handlichen Werk sich an dem nicht ganz einfachen Spagat versucht, Fachwissen charmant aufbereitet an die breite Allgemeinheit zu bringen. Nach dem selbsterklärten Sprachpapst Mr. von und zu Zwiebelfisch Bastian Sick sind viele vielleicht von einem solchen Buch abgeschreckt. Doch im Gegenteil zu Herrn Sick hebt Matthias Heine hier keinen belehrenden Zeigefinger, sondern erzählt amüsante Geschichten.

Mit viel Wortwitz und in einer gehobenen aber noch immer gut verständlichen Sprache erläutert er die Entwicklung von heutzutage eigentlich komplett unspektakulären, weil allgegenwärtigen Begriffen. Dabei geht er in gut nachvollziehbarer Art und Weise alphabetisch vor: Alleinerziehend, Bausünde, Fuck, Generation, Hipster, Mannschaft, Nerd, Ossi, Panzer, Sale, Tschüs, Ureinwohner, Zecke – das sind nur einige Beispiele der Vielfalt. 

Dabei traut sich Heine auch aktuelle Themenschwerpunkte in Angriff zu nehmen, wie etwa Feminismus, Gutmensch oder Lügenpresse. Darin zeigt sich ein weiterer positiver Apekt des Buches – seine Gegenwärtigkeit. Dem Leser werden hier keine ollen Kamellen aufgetischt, sondern es wird anhand konkreter, tagesaktueller Beispiele erklärt und nähergebracht. Dabei ist jedem Wort ein einzelnes, manchmal nur wenige Seiten langes Kapitel gewidmet.

Das Fazit.

Matthias Heine hat mich beglückt und mir mal wieder gezeigt, warum ich damals Germanistik studiert habe. Ich bin und bleibe eben ein kleiner Sprach-Nerd und liebe solches Hintergrundwissen. Damit möchte ich aber nicht sagen, dass sein Buch nur etwas für Fachmenschen ist. Im Gegenteil. Denn wie schon der Titel „Seit wann hat geil nichts mehr mit Sex zu tun?“ demonstriert, ist das ganze sehr gut aufbereitet und holt jeden Leser, der sich für diese Thematik erwärmen kann, wunderbar ab. Dank des handlichen Formates und der knappen Kapitel eignet sich das Buch für die Handtasche und bereitet somit sicherlich auch unterwegs viel Vergnügen. Von mir gibt es darum eine eindeutige Leseempfehlung!

Die harten Fakten:

Matthias Heine – Seit wann hat geil nichts mehr mit Sex zu tun?
16,00 €
erschienen im Hoffmann und Campe Verlag
ISBN: 978-3-455-50369-2

Ich bedanke mich beim Hoffmann und Campe Verlag für die kosten- und bedingungslose Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

Schmöker-Samstag: Claudia Liath – Mondfrau

Ihr Lieben!

Wenn ein Buch den Untertitel „Ein Märchen für Erwachsene“ trägt, kann ich ja eigentlich schon fast gar nicht mehr anders, als die Nase da rein zu stecken. Darum habe ich mich sehr gefreut, als ich das Buch „Mondfrau“ von Claudia Liath in die Finger bekommen habe.

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Die Handlung.

Der Mond wünscht sich einen Namen. Darum bittet er eines Tages Mutter Nox, die Himmelsmutter, seinen Platz am Nachthimmel verlassen zu dürfen, um auf die Erde gehen zu können und sich seine eigene Identität, seinen eigenen Namen suchen zu dürfen. Sie gewährt ihm diesen Wunsch und so macht sich der Mond auf den Weg. Dabei begegnen ihm allerhand weltliche und übersinnliche Wesen – ob eines von ihnen seinen Wunsch erfüllen kann…?

Gleichzeitig macht sich der junge Barde Insint auf den Weg, um zu erfahren, was mit dem verschwundenen Mond geschehen ist. Es wird eine lange, beschwerliche Reise, auf der auch er manch eigenartige Bekanntschaft machen wird.

Die Kritik.

Die Geschichte erinnerte mich ganz sachte an den Film „Die unendliche Geschichte“, als Bastian der kindlichen Kaiserin einen neuen Namen geben musste, um das Reich Fantasia retten zu können. Auch hier wünscht sich der Mond einen eigenen, neuen Namen, doch er scheint dafür auch selbst die Sache in die Hand nehmen zu wollen. Das wirkte auf mich ausgesprochen spannend.

Der Aufbau der Geschichte ist sehr regelmäßig. Sie wird abwechselnd aus der Perspektive des Mondes und Insints erzählt. Dabei treffen beide in jedem Kapitel auf neue Wesen, die ihnen Geschichten über den Mond oder auch manchmal über sich selbst erzählen – das alles geschieht stets in Versform und ist für sich genommen auch wirklich ausgesprochen fantasievoll.

In der Masse jedoch wirkt das Ganze auf die Dauer ein wenig ermüdend. Insint und der Mond kommen beide ihrem Ziel kaum näher, scheinen aneinander vorbei zu laufen und völlig verloren in der Welt zu sein. Auch die sprachlichen Schnörkel und Windungen, die die Wesen von sich geben machen es schwer, am Ball zu bleiben. Einen wirklichen roten Faden in der „Mondfrau“ zu finden, ist ein schwieriges Unterfangen. Und ohne spoilern zu wollen – das Ende hinterließ mich zudem äußerst unbefriedigt. 

Das Fazit.

Nach diesen kritischen Punkten müsste mein Fazit doch eigentlich auch eher schlecht sein. Allerdings kann ich dieses Ausmaß an fantasievollen Einfällen einfach nicht niederreden. Vielleicht wäre es eine schönere Darbietungsform gewesen, wenn jedes dieser Wesen wirklich seinen eigenen Auftritt in seinem eigenen Märchen bekommen hätte. Doch die Reise von Mond und Barden sollte das Ganze verbinden und hat – zumindest mich – dadurch irgendwie aus dem Konzept gebracht.

Manchmal ist weniger mehr und darum denke ich, wären auch hier kleine Häppchen eine bessere Variante gewesen, um den umfangreichen Stoff verdauen zu können. Eine Leseempfehlung kann ich hier also nur bedingt aussprechen – denn selbst für mich als Genre-Fan war „Mondfrau“ leider nicht immer ein Genuss.

Die harten Fakten:

Claudia Liath – Mondfrau.
14,95 €
erschienen im Drachenmond Verlag
ISBN: 978-3-931989-51-4

Ich bedanke mich beim Drachenmond Verlag für die kosten- und bedingungslose Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

Marie-Sabine Roger – Die Küche ist zum Tanzen da

Ihr Lieben!

Ich war ihr bei „Das Labyrinth der Wörter“ schon sehr zugeneigt. Mit „Der Poet der kleinen Dinge“ zeigte sie mir eine andere Seite von sich, die mich ebenfalls umfing. Und spätestens seit „Das Leben ist ein listiger Kater“ bin ich ihr verfallen. Die Rede ist von Marie-Sabine Roger. Kein Wunder also, dass ich auch den neuesten Titel aus ihrer Feder haben musste: Die Küche ist zum Tanzen da. Aber ob einem hier wirklich zum Tanzen zumute ist?

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Die Handlung.

Der Klappentext verspricht einfühlsame und berührende Geschichten über die Wunderlichkeiten des Lebens, in dem immer alles anders kommt, als man denkt: Eine Rollstuhlfahrerin begegnet zwei ziemlich bodenständigen Engeln und lernt mit ihrer Hilfe fliegen. Eine alte Dame wird abgöttisch von ihrem Papagei geliebt, der misstrauisch ihre Sorge um die undankbaren erwachsenen Kinder beobachtet. Eine schüchterne Sekretärin adoptiert ein Kätzchen, ohne zu ahnen, dass sich dadurch alles ändern wird. Vierzehn humorvoll erzählte Geschichten von der Suche nach dem Glück, von Erinnerungen und Sehnsüchten – ein Buch, das tröstet und befreit.

Éliette und Léonard.

Sie hat noch nie ein Händchen für Blumensträuße gehabt. Sie macht Blumenbüschel. Kuddelmuddel in Vasen. Auch wenn sie einen Schritt zurücktritt, wiederkommt, korrigiert, bleibt es unansehnlich, windschief. Das ist eine ihrer Unfähigkeiten. Sie hat noch andere. Dafür liebe ich sie. 
Ich mache mich nicht lustig: Ich kenne sie eben, das ist alles. Ich kenne sie schon lange.
(…)
Sie bemüht sich, ein Gesteck zustande zu bringen, etwas Hübsches. Oh, und wie sie sich bemüht! Seit zwei Tagen schon ist sie ganz hektisch. Seit sie angerufen haben. 
(…)
Sie sind lange nicht mehr da gewesen… Ja, wie lange eigentlich?
Die Schweinehunde.

Die Küche ist zum Tanzen da, S. 7.

Die Kritik.

Bei diesem Klappentext erwartete man doch eigentlich eine amüsante Unterhaltung – mal etwas bissig, so ist Roger nun einmal, dann aber auch schnell wieder charmant und weise. Was einem in diesen Erzählungen dann aber begegnet, ist alles andere als das.

Zwar ist der Schreibstil schon ganz typisch Marie-Sabine Roger. Die Französin nimmt nie ein Blatt vor den Mund, sondern wählt eine klare, deutliche Sprache, die mit ihrer Direktheit dem inneren  Ästheten gelegentlich vor den Kopf stößt, zum Glück aber nie das Maß überschreitet und ins Vulgäre abdriftet. Allerdings kann sich nie von vornherein auf soetwas eingestellt werden, denn die Zusammenstellung der Erzählungen wechselt beständig zwischen solch direkten Texten und ganz zarten, poetischen Geweben, die sich sanft anschmiegen. Und wenn man gerade noch in der einen Sprache hängt, fällt es manchmal schwer, sich so ruckartig auf die neue einzulassen.

Auch inhaltlich ist die Bandbreite groß und dabei doch ganz anders als gedacht. Die unterschiedlichen Geschichten ranken sich alle eher melancholisch um die Welt und die Suche nach dem Glück. Die Autorin kreiert Charaktere, die einen seltsamen Blick auf das Leben haben. Und während einige Geschichten wunderschön mit der Erwartungshaltung der Leser spielen – beispielsweise in „Das Brautpaar“ oder bei „Wie macht sie das nur?“ – schlagen einem andere Erzählungen nahezu ins Gesicht und hinterlassen tiefe Furchen, wie „Vic“ oder „Eine Nachtwache“.  Hier bleibt einem das Lächeln im Halse stecken, das Gesicht friert ein und man fragt sich, ähnlich wie früher zu Schulzeiten: Was will der Dichter uns damit wohl sagen?

Vielleicht, dass ein Happy End eben nicht immer möglich ist. Oder vielleicht auch, dass das, was gemein hin als ‚Happy End‘ anzusehen ist, nicht für jeden auch wirklich so funktioniert. Gerade die letzte Erzählung „Die Theorie vom Hund auf dem Baum“ führt diesen Gedanken perfekt aus. Und während die Geschichte ihre unterschiedlichen, teilweise unappettitlichen Wendungen nimmt, so ist da am Ende trotzdem dieser Mensch, der glücklich ist. Und man denkt sich nur – ich wäre auch gern glücklich!

Das Fazit.

„Die Küche ist zum Tanzen da“ ist schwierig einzuschätzen. Die einzelnen Geschichten sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten von der Autorin veröffentlicht und erst im Nachhinein zusammengestellt worden. Darum erscheinen sie nicht so sehr aus einem Guss, wie die Romane von Roger. Dennoch ist fast jede Geschichte für sich genommen eine kleine Perle. Man sollte ihr nur Raum geben, sich zu entfalten. „Die Küche ist zum Tanzen da“ ist kein Fast Food, sondern sollte bewusst gekaut und erschmeckt werden, damit es zu keiner Magenverstimmung kommt, sondern sich der rechte Genuss einstellt. Somit gibt es von mir durchaus eine Leseempfehlung.

Die harten Fakten:

Marie-Sabine Roger – Die Küche ist zum Tanzen da.
18,00 €
erschienen im Atlantik Verlag
ISBN: 978-3-455-60028-5

Ich bedanke mich beim Atlantik Verlag für die kosten- und bedingungslose Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!