Künstlerportrait: Anja Uhren

Ihr Lieben!

Auf der Leipziger Buchmesse 2016 stieß ich zufällig auf eine deutsche Illustratorin, deren Stil direkt mein Herz eroberte. Zwei ganze Tage bin ich daraufhin um ihren Stand herumgeschlichen, bis ich mich schließlich traute, sie anzusprechen und auch eines ihrer wunderschönen Werke zu erwerben, mit dem Ziel, es zu rezensieren. Das hat nun zwar eine Weile auf sich warten lassen, was aber daran lag, dass aus einer einfachen Rezension ein größeres Projekt erwachsen sollte – nämlich ein Künstlerportrait – von Anja Uhren.

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Wer ist Anja Uhren?

Die 1991 in Deutschland geborene Anja lebt seit ihrem Abschluss an der Arts University Bournemouth in Sheffield, UK als freie Illustratorin. Ihre Bandbreite reicht vom klassischen Malen, Zeichen und Illustrieren, über Handlettering, Storieboarding, Animationen, Concept Art bis hin zum kreativen Schreiben.

Entsprechend bezeichnet Sie sich selbst als eine Geschichtenerzählerin, welche sowohl mit Wort als auch Bild versucht, Geschehnisse zu übermitteln. Sie sagt von sich, dass sie gerne reist – stets mit mindesten einem, besser noch einem zweiten Skizzenbuch im Gepäck – und eine Tagträumerin ist. Ihre Werke bewegen sich dementsprechend oft in märchenhaften Gefilden, aber auch den Alltag und seine großen und kleinen, bewegenden Emotionen nimmt sie in Angriff – wie etwa in ihrem Buch „What is Home?“.

5 Fragen an Anja

1. Seit wann und warum zeichnest du schon? Wann hast du das erste Mal zum Stift gegriffen?

Das Zeichnen war für mich von Klein-auf eine ganz normale Alltagsgewohnheit, die ich wohl an erster Stelle meiner Mutter zu verdanken habe. Sie hat wirklich keine Mühe gescheut, mir und meinen Geschwistern alle Möglichkeiten zu geben, unserer Kreativität freien Lauf zu lassen und das hat mich so nachhaltig beeinflusst, dass der einzige Berufswunsch, den ich je hatte von Anfang an ‚Künstlerin‘ war und ich den Stift nie wieder zur Seite gelegt habe.

2. Du bist eigentlich Deutsche. Was hat dich dazu bewogen, nach UK zu gehen?

Obwohl ich wusste, dass ich etwas in Richtung Kunst studieren wollte, hat mich in Deutschland keine Uni/Hochschule so wirklich begeistert, da mir die angebotenen Kurse zu festgelegt erschienen und ich mehr experimentieren wollte. Meine Kunstlehrerin hat mich dann im letzten Jahr meines Abiturs auf eine Uni in England aufmerksam gemacht, die einen Kurs im Angebot hatte, der mir genau richtig erschien. Und so habe ich mich kurzerhand beworben, wurde angenommen und habe mich während meines 5-jährigen Studiums in Bournemouth so sehr in das Land verliebt, dass ich es bisher nicht wieder verlasen konnte.

3. Gibt es große Vorbilder oder Inspirationsquellen für dich?

Viele meiner derzeitigen Inspirationsquellen sind Künstler, die in der small-press/ Indie-publishing Szene tätig sind. Ich liebe es, auf Comic- und Zine-fairs zu gehen und durch die vielen Veröffentlichungen einen kleinen Einblick in das Leben anderer Menschen zu erhalten und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Dieser Austausch und diese Verbindungen sind für mich die schönsten Aspekte von ‚Kunst‘ allgemein und inspirieren mich unheimlich.

Davon abgesehen – und um noch mal ein paar konkrete Namen zu nennen – ein Künstler, der mich nun schon seit vielen Jahren mit seinen Werken fasziniert und motiviert hat, ist Dave McKean. Außerdem bin ich im Moment sehr angetan von Amanda Palmer, deren Buch ‚the Art of Asking‘ meine Weltanschauung recht nachhaltig geändert hat und die sich auf jeden Fall recht schnell zu einem großen Vorbild für mich entwickelt hat.

4. Wie würdest du selbst deinen Stil beschreiben? Was zeichnest du am Liebsten?

Mein Stil fällt im Moment für meinen Geschmack noch viel zu sehr in die Dark Fantasy/Märchen Kategorie, in der ich mich leider etwas festgefahren zu haben scheine. Meine eigenen Projekte gehen schon seit einiger Zeit in eine andere, mehr persönliche und weniger dunkel & mysteriöse Richtung. Aber die Aufträge, die ich bekomme, sind größtenteils in Anlehnung an die Arbeiten, die ich vor 2 Jahren mit Hingabe kreiert habe, mit denen ich mich jetzt aber immer weniger assoziieren kann. Diese Übergangsphasen sind immer etwas schwierig, aber ich hoffe Stück für Stück meine aktuell bevorzugte Art zu Zeichnen mehr und mehr durchsetzen zu können.

5. Was erträumst du dir für die Zukunft? Welche Pläne möchtest du gerne noch Wirklichkeit werden lassen? 

Ich habe viele Buchprojekte im Kopf, die ich sehr gern mit der Welt teilen möchte. Vordergründig zeichne ich, um Geschichten zu erzählen. Ich habe schon einige Verlage im Auge, mit denen ich unheimlich gern zusammen arbeiten würde, um diesen Geschichten eine Form zu geben. Außerdem möchte ich gern viel mehr Reisen, andere Kulturen kennen lernen und mich von den Eindrücken und Erkenntnissen zu neuen Geschichten inspirieren zu lassen.

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Ein Einblick: Fairies & Stories

Auf die weiteren Stilentwicklungen von Anja freue ich mich schon sehr. Um euch aber vom bisherigen Ist-Stand einen kleinen Eindruck zu verschaffen, möchte ich euch natürlich das von mir erworbene Werk vorstellen.

Ich habe mir damals Anjas selbst herausgegebene Collection von märcheninspirierten Illustrationen namens „Fairies & Stories“ gekauft, weil das natürlich ganz deutlich in mein Beuteschema fällt. Darin gibt es in kleinen Häppchen – mal nur als Bild, mal wenige Seiten lang, Einblicke in ihre ganz persönliche Interpretation verschiedenster Märchen und Geschichten. So gehen wir mit Kay zusammen zur Schneekönigin, wir fallen mit Alice durch das Kaninchenloch und wir leiden mit der kleinen Meerjungfrau mit.

Anjas Stil ist dabei immer eine Mischung aus düster und glasklar. Ihre Illusrationen sind detailreich und verspielt, mit vielen Verzierungen und manchen Elementen, die ein wenig an Tim Burton erinnern, aber sie kupfert dabei nie ab, sondern bringt ihre eigene, persönliche Note mit hinein. Farblich bewegt sie sich in „Fairies & Stories“ vor allem in gedeckten Tönen, sanft verwaschene, aquarellige Colorationen mit leuchtenden weißen Details. Alle Texte sind handschriftlich dazugeschrieben, ergänzt von der einen oder anderen Original-Bleistiftskizze.

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Insgesamt wirkt „Fairies & Stories“ also nicht wie ein Hochglanz-Bildband, sondern mehr wie ein Einblick in ein echtes Skizzenbuch, voller Visionen und Träume. Sehr inspirieren und absolut vielseitig. Mit jedem Aufschlagen entdeckt man etwas neues!

Wo findest du Anja?

Anja betreibt einen eigenen etsy-shop, in dem sie ihre wunderschönen Bilder, Postkarten, Lesezeichen und Bücher verkauft. Wer etwas mehr über sie als Künstlerin und ihr Schaffen erfahren will, sollte auf ihre Website oder ihren Tumbler-Account klicken. Ebenfalls viele schöne Einblicke gewährt sie bei Instagram.

Ein Teil von Anjas stand auf der Leipziger Buchmesse 2016.

Ein Teil von Anjas Stand auf der Leipziger Buchmesse 2016.

Ich danke Anja Uhren für ihre Zeit und Worte, mit denen sie mir geduldig meine Fragen beantwortet hat!

12 Gedanken zu „Künstlerportrait: Anja Uhren

    1. palandurwen Artikelautor

      Hihi das freut mich sehr!
      Ich muss ja gestehen – ich muss in einer ruhigen Minute mich dann nochmal mit Anjas Inspirationsquellen beschäftigen. Bisher sagt mir das noch nichts, aber es klingt seeeehr interessant! 🙂

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  1. Goldkind

    Ach ja, die Anja. Es war ziemlich nett 2016 mit ihr zu plaudern! Und die Bilder mag ich alle auch ziemlich gern.
    Aber du hast unterschlagen, dass sie sich mittlerweile die Haare abgeschnitten hat, hihi.

    Auf jeden Fall hoffe ich, dass sie bald viele ihrer Projekte realisieren kann!

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    1. palandurwen Artikelautor

      *hihihi ohja, das stimmt natürlich 😉 Wie gut, dass du ein wachsames Auge auf mich hast und solche attraktives Details (es steht ihr ja auch wirklich sehr gut ^^) nachträgst :*

      Ich hoffe auch, dass wir mehr von ihr sehen werden ^^

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  2. Jana

    Ich habe Anja 2016 auf der MCM Comic Con in Hannover kennen gelernt. Ich liebe ihre Werke. Habe mir letztens Fairies and Stories gekauft und bin einfach nur begeistert.

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  3. NEUMI2014

    Danke dir für deine Rezension.O:)

    Ich kenne Anja aus alten Schultagen und war seit der 5ten Klasse davon begeistert wie gut sie ihre Kunst beherrscht. Ich forderte sie desöfteren mit neuen Themen oder Aufgaben heraus und sie erfüllte immer alle mit Bravour.

    Bin bis heute froh Werke aus ihren ersten Tagen zu haben besonders weil diese auch noch so ganz anders ist. Grüße von der OSTSEE an dich und Anja und alle die dies lesen 🙂

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    1. palandurwen Artikelautor

      Ach das ist ja lustig!
      Ich freu mich, dass auch Fans der ersten Stunde ihren Weg zu mir gefunden haben 😀
      Es ist toll, wenn man so kreativ Menschen schon so lange kennt und beobachten kann ^^

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