Laura Newman – Jonah

Ihr Lieben!

Auf der Buchmesse ist es passiert – ich habe davon ja bereits berichtet. Ich habe die liebe Laura Newman persönlich getroffen. Eine kurze, aber schöne Begegnung. Und diese war tatsächlich der endgültige Grund, weswegen ich danach zum BoD-Stand gewackelt bin, gefragt habe, wie das Kontingent für Rezensionsexemplaren bei eine bestimmten Buch aussieht, nach der Messe diesbezüglich nochmals eine Anfrage-Email abgeschickt habe und nun vor ziemlich genau einer Woche es endlich vor mir liegen hatte: Jonah.

Jonah_Newman

Die Handlung

Emily fährt jeden Sommer hinaus aufs Land, nach Devlins Hope. Dort genießt sie einige Wochen die Einsamkeit und verbringt im Ferienhäuschen ihrer Großmutter eine ruhige Zeit in der kleinen, abgeschiedenen Siedlung. Doch in diesem Jahr wird ihr gemütlicher Lesemarathon gestört vom scheinbar größten Proleten, den diese kleine Welt bisher erdulden musste, wie sie vermutet: Jonah. Der gutaussehende Junge hat sich aus irgendwelchen Gründen in den Kopf gesetzt, Emily zu belagern. Ständig schwankend zwischen genervt und neugierig lässt sie sich auf ihn ein. Doch schnell wird klar – Jonah ist nicht nur der nette Junge von nebenan. Etwas stimmt mit ihm nicht. Und Emily beschließt, das Geheimnis seiner Vergangenheit zu lüften…

„Ein paar Handgriffe später ist der Schlauch angeschlossen und ich starte einen Testlauf. Ich drehe den Hahn auf und höre Wasser rauschen. Doch dann geht irgendetwas schief. (…) Fluchend blicke ich an mir herab und betrachte das Ergebnis. Die Hose klebt an mir wie eine zweite Haut. Mein Top ist komplett durchnässt und ich kann förmlich spüren, wie der Eyeliner mir in schwarzen Schlieren über die Wange rinnt. Und als ich sicher bin, dass es nicht schlimmer werden kann, höre ich leises Gelächter von gegenüber. (…)

‚Ich bin Jonah‘, sagt er schließlich und heftet seinen Blick dabei gütigerweise wieder an mein Gesicht. ‚Emily‘, entgegne ich kurzangebunden. Er setzt sich auf den Rand des schweren Steinwaschbeckens und verschränkt nun ebenfalls die Arme. ‚Und?‘, fragt er ganz gelassen. ‚Bist du neu hier?‘ Mir klappt der Unterkiefer runter. Ob ich neu hier bin? Wer ist dieser Typ?“

Jonah, S. 8-10.

Die Kritik

Wer ist Jonah? Diese Frage stellt man sich beim Lesen öfter einmal. Denn was zu Beginn des Romans noch wie eine harmlose, niedliche Teenager-Love-Story mit den beiden Protagonisten „Cooler Highschooltyp“ und „schüchterne Schönheit“ anmutet, wandelt sich mit jedem Kapitel mehr in eine verwobene Geschichte, die ein abgründiges Ende finden wird.

Im Zentrum stehen dabei nach wie vor Emily und Jonah. Und während der Leser stets einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der 18-Jährigen hat, bleibt Jonah ein Rätsel. Mal amüsant, mal unfassbar wütend, immer gerade heraus, womit er Emilys Leben in der kleinen Siedlung nicht unbedingt einfacherer gestaltet. Im Laufe der Handlung enthüllen aber beide Charaktere immer mehr Wesenszüge, raufen sich zusammen und gehen gemeinsam tapfer durch alle Widrigkeiten, die ihnen auf der Suche nach Antworten begegnen.

„Jonah“ schlägt dabei einige Haken durch die Genrewelt: Von der anfangs erwähnten Jugendromanze über Fantasy bis hin zum Thriller marschiert die Selfpublisher-Autorin Laura Newman mit ihren Charakteren durch eine interessante Zusammenstellung. Dabei bleibt der Schreibstil jedoch dem des Jugendbuches gewogen, was kein Nachteil ist, sondern ein verbindendes Element darstellt. Denn so wird deutlich, dass hier nicht der zweite Teil des Romanes zu einer völlig anderen, unzusammenhängenden Episode mutiert ist, sondern dass sich dahinter durchaus Absicht verbirgt. Der entstehende, inhaltliche Bruch des Romans, der anfangs noch so leise daherkam und sich immer mehr zu einem reißenden Fluss entwickelt, wird so nämlich wunderbar zusammengekittet. Wer bereits andere Titel von Laura Newman gelesen hat, wird wissen, dass sie sich gerne auf solche literarisch-grenzgängerische Schmelztiegel einlässt. Im Falle von „Jonah“ ist das auch gut gelungen.

Als einzigen Kritikpunkt könnte man wohl anführen, dass die ersten Kapitel für manchen Leser zu ausschweifend geraten sein könnten. Allerdings sprechen andere Stimmen – und dazu gehöre ich – sich dafür aus, da so die Charaktere behutsam eingeführt werden und der Plott sich langsam aufbauen kann. Schließlich sind das doch die besten Geschichten, in denen man meint zu wissen, wohin es geht und dann einfach mal eines besseren belehrt wird.

Das Fazit

„Jonah“ ist ein Jugendbuch. Dadurch kann es kaum mit Werken von King oder gar Goethe verglichen werden. Es ist aber auch kein Rowling oder Meyers, denn der Roman ist kein Teil dieser großen Hype-Maschinerie. Im Gegenteil: „Jonah“ ist etwas kleines, feines, etwas Besonderes. Es ist eben ein Newman. Und für mich, die mit deutschen Autoren leider öfter ein Problem hat, eine unglaublich angenehme Überraschung! Denn während andere große Namen mich emotional gern nur tangieren, hat „Jonah“ mich insbesondere im letzten Drittel unglaublich mitgenommen. Und auch wenn man weiß, dass das Ende so kommen musste, nur so sein konnte, steht man trotzdem da – genau wie die Protagonistin – und kann es nicht sofort verarbeiten. Wenn ein Buch (aus welchem Genre auch immer) das vermag, dann kann ich nicht anders, als zu sagen: Ich mag „Jonah“!

Die harten Fakten:

Laura Newman – Jonah.
10,99 €
erschienen im BoD Verlag
ISBN: 978-3-739-21254-8

Ich bedanke mich beim BoD Verlag für die kosten- und bedingungslose Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

2 Gedanken zu „Laura Newman – Jonah

  1. Goldkind

    Schön, dass das mit dem Reziexemplar doch so gut geklappt hat. 😀
    Auch wenn du versucht hast, die unterschiedlichen Aspekte, die in diesem Roman zusammenkommen, zu beschreiben, kann ichs mir irgendwie immer noch nicht so richtig vorstellen. ^^
    Aber gut, dir hat das Buch ja gefallen. *g*

    Antworten
    1. palandurwen Artikelautor

      Ja, eine Rezension zu dem Buch ist etwas tricky, da du eigentlich gefühlt schon nach den ersten Kapiteln anfängst noch unwissende Leute zu spoilern. Darum darf man von der Geschichte leider nicht so viel preisgeben, wie man eigentlich gern in die Welt hinausposaunen möchte ^^;;

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.