Radiergummitage

Miriam Pielhau – Radiergummitage

Ihr Lieben!
Seit gestern ist offiziell Herbst. Raschelndes buntes Laub, Kastanien – aber auch Regen und unangenehmere Temperaturen sind davon die Folgen. Beste Zeit also um endlich wieder mit den Buchbesprechungen durchzustarten. Denn da hat sich im Sommer so einiges angesammelt. Also los 😉

Kennt ihr Lovelybooks? Das ist wohl eine der grĂ¶ĂŸten, deutschen Buchgemeinschaften im Netz und ich bin seit einigen Monaten dort auch am Start. Und lustiger Weise konnte ich gleich zu Beginn ein Buch gewinnen, von dem ich nun, nachdem ich es endlich geschafft habe, es zu lesen, positiv ĂŒberrascht bin. Die Rede ist von Miriam Pielhaus „Radiergummitage“.

„Radiergummitage. So hießen Tage, die ein Fall waren fĂŒr den Radiergummi des Universums. Tage, die Maja Pauly im Kalender gedanklich mit lauter wĂŒtendem Gekrickel ĂŒberzogen hatte, weil sie dem ureigenen Maßstab nach misslungen waren. (…) Rubbel, Rubbel. Wisch, wisch. Und wieder alles blĂŒtenweiß. (…) Aber das ging leider nicht. Schönheitschirurgie am Leben? Eine MarktlĂŒcke. (…)

Maja Pauly war an erstaunlich vielen der 12.745 Tage, die sie sich auf dieser Welt befand ein tauglicher Typ. Frau Friedlich und Frau Freundlich in einer Person. (…) Wurde sie, was nicht so oft vorkam, allerdings doch einmal gepiesackt, konnte sie auch fies werden. Dann bekam die Welt ihre pechschwarze Seite zu sehen. Die Damen Friedlich und Freundlich wurden zum Teufel gejagt, und Maja mutierte zum Teilzeit-Ungeheuer. Und das Ă€rgerte sie. (…)
Maja hatte schon lange keinen Radiergummitag mehr zu verbuchen gehabt. Bis heute.“ (S.9f.)

Maja ist eine relativ erfolgreiche Schauspielerin am Braunschweiger Theater, sie ist Single, hat so gewisse VerstĂ€ndigungsschwierigkeiten mit ihrer Mutter und wertet ihr Leben insgesamt als mittelprĂ€chtig. Kein totaler Super-GAU, aber das große GlĂŒck eben auch nicht. Doch ihr droht nun etwas, vor dem sie schon immer eine völlig irrationale Angst hatte: der 35. Geburtstag. MĂŒsste sie in diesem Alter nicht eigentlich weise sein und schon Mann, Kind und Haus vorweisen können? Um diesen Zweifeln und dem ihrer Meinung nach vorprogrammierten UnglĂŒcksjahr vorbeugen zu können, beschließt sie, sich jeden Monat eine Aufgabe zu stellen, an der sie wachsen kann. Zu Beginn lĂ€uft alles ganz entspannt – doch dann erhĂ€lt sie eines Tages einen Brief mit einer neuen Aufgabe, die es ganz schön in sich hat…

„Radiergummitage“ ist Miriam Pielhaus RomandebĂŒt. Die ansonsten wohl als Moderatorin bekannte Frau hat hier eine Hauptperson geschaffen, die herrlich schrullig, ein bisschen verquer und dabei doch irgendwie immer ganz natĂŒrlich und normal ist. Mit charakterlichen Höhen und Tiefen versucht sie ihr, ihrer Meinung nach nicht ganz ausgegorenes Leben zu bewĂ€ltigen. Durch die Aufgaben stellt sie sich konsequent Situationen, die eine Art Ausfallschritt aus der gewohnten Komfortzone darstellen. Dabei sind einige nachvollziehbar (Urlaub allein machen, eine Geburt erleben), andere wiederum klingen doch ein bisschen nach Sex and the City (eine Frau kĂŒssen, anonymen Sex haben) und schlagen damit wohl meiner Meinung nach etwas mit der Klischeekeule.
Dennoch bleibt die Protagonistin immer an der Frage dran, wie es sich in WĂŒrde altern lĂ€sst. Ihren Weg mitzugehen hat in den meisten FĂ€lle einen amĂŒsanten Effekt, denn Pielhau versteht es wirklich humorvoll zu erzĂ€hlen und spielt auf angenehme Weise mit der Sprache, ohne dass sie unhandlich wird oder einem quer im Magen liegt. 
Dass am Ende nicht Maja die Antwort auf ihre Frage gibt, sondern jemand ganz anderes, ist wohl der entscheidende Dreh an diesem Roman, der ihn im Nachhinein auch davor bewahrt zu sehr in seichte GewĂ€sser zu driften. Denn auch wenn das Buch mit viel Augenzwinkern zu lesen ist, ab und an vielleicht auch ein bisschen vorhersehbar wird und insgesamt vielleicht keine außergewöhnliche Geschichte erzĂ€hlt, so ist doch genau das wohl der entscheidende Punkt, der es so charmant macht. 

Mein Fazit: Es ist keine Überraschung, dass der Roman wohl die Zielgruppe Frauen hat. Er ist amĂŒsant, keine schwere Kost, nett fĂŒr Zwischendurch. Dies ist jedoch keine Kritik, sondern eine Feststellung. Denn positiv an dieser Leichtigkeit ist, dass dadurch ein wichtiges Thema fast schon unbemerkt und somit eigentlich sehr intelligent verhandelt wird, ganz unaufdringlich, unaufgeregt. Ein Thema, das uns alle betrifft: Altern. Und dieses sollten wir wohl wirklich so nehmen, wie der Roman: mit Humor. Wem das Genre zusagt, kann also beruhigt zu diesem DebĂŒt greifen! 

Die harten Fakten:  

Miriam Pielhau – Radiergummitage.
9,99 €
erschienen im Dumont Verlag
ISBN: 978-3-832-16262-7
Vielen Dank an Lovelybooks fĂŒr diesen Buchgewinn. Die Rezension ist komplett kosten- und bedingungslos verfasst. 

3 Gedanken zu „Miriam Pielhau – Radiergummitage

  1. Goldkind

    Ich wusste gar nicht, dass Miriam Pielhaus ein Buch geschrieben hat!
    Klingt jetzt ehrlich gesagt nicht so ganz nach meinem Beuteschema (mal wieder ^^) … Aber deine Besprechung finde ich gut auf den Punkt gebracht. *g*

    Antworten
    1. palandurwen Artikelautor

      Sie schreibt wohl sogar schon lĂ€ngere Zeit – aber eher so Kurzgeschichten oder so?
      Und um ehrlich zu sein: So ganz mein Beuteschema ist es auch nicht 😉 Es ist nett fĂŒr Zwischendurch wie gesagt, aber eben irgendwie auch nicht so bahnbrechend, dass man/ich es gelesen haben muss *gg
      Dann lieber das nÀchste Buch (Veronika ^^).

      Danke aber fĂŒr das Lob bzgl. der Kritik. Ich will versuchen nicht mehr so viel zu labern, sondern prĂ€gnanter zu schreiben 🙂

      Antworten

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